Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Heißes, schönes Sommerwetter! Bei jeden Schritt schwitzt man. Die Komp. rückt zur Besichtigung durch den Div.- u. Brig.-Kommandeur aus. Zahlreiche Flieger benutzen die Gunst des Wetters zu ihren Erkundungsflügen. Vormittag kommt die telephonische Mitteilung daß Karlsruhe von einem fdl. Geschwader mit Bomben belegt worden ist. Kurz danach gelang es einem unserer Kampfflieger das franz. Flugzeug zum Absturz zu bringen, welches seit einigen Tagen immer dreister über uns Kreiste. Auf das sofort erschallende Jubeln eilte ich hinaus und konnte den feindl. Apparat noch langsam sich fortwährend überschlagend zur Erde fallen sehen. Es war Richtung Blamont. Die Insassen sind, wie bald bekannt wurde beide tot. Am Abend packen wir unsere sämtliche Habe fix und fertig ein. An- schließend trinke ich noch ein Abschiedsgläschen mit Roscher-W. um dann nochmals im schönen Quartier zu schlafen. Im folgendem will ich versuchen einen Tag in der Stappe [??] zu schildern, wie er sich mir während dieser 3 Wochen zeigte: Etwa um 4:0 morgens beginnt das Leben. Die Rekruten werden geweckt und ziehen nun mit den Feldkesseln zu ihren Küchen. Bald hört man dann den Schritt marschierender Kolonnen teilweise unter den Klängen der Spielmannsweisen. Es sind die zum Exerzierdienst rückenden Kompagnien. Gegen 8:0 ist dann verhältnismäßig Ruhe. Geht man durchs Städtchen, so sieht man die Einwohner, welche noch nicht lange aufgestanden sind und noch verschlafen aussehen. Die Feldküchen dampfen mit dem Mittagessen. An trüben Tagen findet man die Romoniore [??] des Abwehrgeschützes bei dessen Reinigung am Wassertrog. An schönen Tagen bleibt
ihnen indes dazu keine Zeit. Gegen Mittag, von 11- 1:0 sieht man dann wieder alle die
Lanzer mit ihren Feldkesseln laufen. Ich selbst ging immer gleich zur Feldküche, wo wir
Mittag essen konnten. Gegen Abend spielt oft irgend eine Kapelle auf dem Marktplatz.
Um den Klängen der Musik zu lauschen, sieht man dann Militär vom General abwärts in allen Dienstgraden und Waffengattungen. Die Zivilbevölkerung lässt sich fast nie dabei sehen. Am Abend findet man die zahlreichen Kantinen, davon fast jeder Truppenteil und jedes Kommando die hier liegen, eine eröffnet, voll besetzt. Um 10° ist allgemeiner Quartierschluss. Es tritt Ruhe ein. Durch die nächtliche Stille fällt der Schritt patrouillierender Posten und dann und wann das Donnern der Geschütze im Vorgelände.

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