
Mit Hellmut hatte ich recht gut geschlafen als uns um 5 morgens Musik erscholl. 5 Mann brachten ein Ständchen zur goldenen Hochzeit unter der Führung von Leber – Max. Die Choräle. „Ein feste Burg ist unser Gott“. Der Großvater war so überrascht, daß er sich gar nicht zeigte. Um 9h kam Onkel Louis, Tante Anna und Cousine Gertrud aus Borstendorf. Sie brachten einen schönen Korb mit goldener Verzierung und Leckerbissen, wie Honig, Schokolade und Bisquits. Im Laufe des Tages wurden dann noch von den Ortseinwohnern Geschenke und Karten abgegeben. 22 Karten gingen ein.
Unter den Geschenken waren 2 Gläser, 1 Teller und 1 Blumenstock sowie 1 Blumenstrauß. Die Geschenke an Butterschäfchen, Eiern usw. würden noch reichlicher gewesen sein, wenn nicht die Kriegsnot auch dem Nahrungsmittelverbrauch der Landbevölkerung Schranken auferlegte. Um 2 kam der Pfarrer Ockermann aus Forchheim und segnete die Großeltern feierlichst ein. Zum Schlusse überreichte er eine vom Landeskonsistorium gestiftete Ehrenbibel. Zur Einsegnung waren noch zugegen:
Großmutters Bruder Wilhelm Werner und ihre Schwägerin die Caroline aus Mittelsaida. Letztere ist 84 Jahre, aber kann noch gut fort. Sie hatte vor 2 Jahren goldene Hochzeit und war überzeugt daß es der Herr Pfarrer bei ihr nicht so schön gemacht habe wie bei unseren Großeltern jetzt. Nachdem der Pfarrer eine Tasse Kaffee getrunken und sich wieder verabschiedet hatte, machten wir uns alle ans Kaffeetrinken. Großmutter hatte sich aus erspartem Mehl etwas Pfannkuchen gebacken, dazu kam eine Bebe von Onkel-Louis und Papas Pfefferkuchen, sodaß es an nichts fehlte und sichs jeder einmal recht schmecken lassen konnte. Im Laufe des Nachmittags kam immer dann und wann noch ein Gratulant.- Onkel Louis brachte die Nachricht mit, daß die bei Kut-el-Amara in Mesopotamien eingeschlossenen Engländer kapituliert haben wobei die Türken neben zahlreichem Kriegsgerät 13000 Gefangene machten. Um 6 abends machen wir uns alle auf den Heimweg. die Großeltern gehen ein Stück mit und verabschieden sich dann auf Pauly’s Gutsweg. Am Vogelbeerbaum vorabschieden sich die Borstendorfer, sodaß sich alles wieder zerstreut. Hoffentlich war es nicht das letzte Mal, daß wir alle so zusammenkommen konnten. Leider konnten wir keine Photographie machen, was sehr
schön gewesen wäre. Während der Bahnfahrt regnete es ein wenig, sonst war der Tag herrlich gewesen.
In Dresden kehrten wir in Papas Stammlokal noch einmal ein. Hier erlebten wir die historische Einführung der Sommerzeit. Punkt 11 drehte ich meine Uhr auf 12 und verkürzte so bestimmungsgemäß den 30.4.16 um 1 Stunde!
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