
Der Schlafraum war in einer großen Holzbaracke. Die Pritschen waren in 3. Etagen übereinandergebaut. Ich schlief in der obersten auf einem Strohsack und mußte mit Leiter hinauf klettern. Nachdem ich mich gründlich ausgeschlafen hatte, kraxelte ich morgens 7.0 wieder herunter und ging in den Nebenraum, der für die Wäsche eingerichtet war. Rings an der Wand entlang liefen breite Mulden. Aller 1 1/2m lief ein Wasserhahn mit warmen Wasser, sodaß man sich einmal gründlich reinigen konnte. Seife und Handtuch muß man allerdings bei sich führen. Ist die Morgentoilette beendet geht man wieder einen Raum weiter in die Kantine. Hier erhält, man für 10 Pf [??] einen
Topf Kaffee und, wenn man sich nichts mitgebracht hat, zu essen. Es gibt Wurst zu den
Verhältnissen entsprechend annehmbaren Preis (für 40 Pf [??] kann man sich satt essen). Diese Kantine ist überhaupt der einzige Fleck wo sich ein Lanzer seinen Verhältnissen entsprechend richtig satt essen kann. Sie wird, infolge der durchgehenden Feldurlauber, auch nie leer. Nachdem ich also auch Kaffer getrunken
hatte, machte ich mich auf den Weg, um meine Einkäufe (Papier u. Zeichenmaterial sowie Farbbänder f. Regt, Holzsfuse [??] für die Köche an den Feldküchen usw.) zu besorgen und mir Metz bei Tage zu betrachten. Man fühlt sich stets wohl, wiedereinmal so das friedlich pulsierende Leben einer größeren Stadt zu sehen. Als ich um 10.0 zufällig am Dom vorüberging, zerstreute sich dort eine größere Menschenansammlung.
Ich erkundigte mich nach dem Grunde und hörte, daß Mackensen Constanza eingenommenen habe, was verkündigt worden war. Bald zeigten sich die Hauptstraßen mehr und mehr im Fahnenschmuck. Ich erfuhr auch, daß Graf Stürgk ermordet wurde. Nachdem ich alle Einkäufe besorgt hatte, fahre ich einmal hinaus nach Kontingen [??] um mich persönlich von dem Fliegerschaden zu überzeugen. Doch ich sah nichts, da niemand recht Bescheid weiß oder wissen will. Die Gasanstalt u. Kasernen sollen beschädigt sein. Eine Anzahl Frauen und Kinder wurde getötet. Die Flieger haben auch
Gasbomben geworfen, sodaß Leute erstickten. Gegen Abend besuchte ich wiedereinmal ein Kino u. ließ mir einige Glas Bier in friedlicher Ruhe schmecken, bevor ich die Übernachtungsstelle auf dem Bahnhof aufsuchte. Hier schlief ich heute im Parterre da ich 1/2 5 geweckt sein wollte.
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