Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Ein Regentag! Die Kompagnie sollte frei haben, doch es gibt dringende Schanzarbeiten für das Einbauen der Minenwerfer zur bevorstehenden Unternehmung. Nachmittags wird es nach und nach schön. Gegen Abend gehe ich mit Utffz. Zeißig nach Angomont, wo wir Herrn Offiz. Stellv. Plettner besuchen. Dieser zeigt und erklärt uns eingehend die zur Befestigung diese Ortes getroffenen Maßnahmen. Es ist bewunderungswürdig, was hier in verhältnismäßig kurzer Zeit geschaffen worden ist. Die Keller der Häuser sind durch Ausfüllen der Erdgeschosse in den Häusern mit Zement, Balken u. Steinen bomben- u. granatsicher gemacht und wohnlich zur Aufnahme von zahlreichen Reserven eingerichtet. Telephonstand, Verpflegsdepot usw. ist vorbereitet. Um das Dorf sind vorzügliche Stellungen angelegt, in denen es nicht an betonierten Unter- u. Postenständen fehlt. Alle Erfahrungen des langen Stellungskrieges wurden dem Ausbau dieser Verteidigungsanlagen nützlich gemacht. Ein Feind, dem es gegen alle Voraussicht gelingen, sollte, unsere vordere Linie zu überrennen, würde hier rasch
wieder Halt machen müssen. Der Sonnenuntergang ist heute
prachtvoll. Am fernen Horizont sieht man eine schräge mächtige Wolke, die Form u. Platz nicht wechselt. Es ist die Dunstwolke über Luneville, von welcher Stadt man bei Tage auch einige Eßen sehen soll.
Beim nahen der Dunkelheit sieht man Signalraketen steigen. Am äußersten Horizont
zeigt sich das Blitzen vom Mündungsfeuer der Geschütze von deren Abschuß nichts zu hören ist. In weiter Ferne rollt unaufhörliches Geschützfeuer während bei uns verhältnismäßige Ruhe herrscht. In der Wiesentalstellung ist ein franz.
Überläufer über die freie Wiese gekommen, welche seit 1 1/2 Jahr nicht mehr begangen
wurde. Nach seinen Aussagen, ist dieser früher zu 14 Jahren Zwangsdienst verurteilt worden, weil er seinen Sargent erschlug. Jetzt ist er strafweise an der Front gewesen. Komische Auffassung vom Frontsoldaten!

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