Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Originale handschriftliche Überschrift aus dem Kriegstagebuch: Soannabend den 10. Juni 1916

Wegen strömender Regen wird das Exerzieren der Komp. heute zeitiger abgebrochen. Ein Rest der Komp. hatte Schulschießen. Nachmittag badet die ganze Komp. in Val. Abends findet im großen Quartier der Komp. ein Unterhaltungsabend statt, der trotzdem keinerlei Vorbereitungen getroffen waren recht fidel verlief.

Es gab 3 Faß Bier (250 l). Ein Spielmann der 4. Komp. (im Zivil=Mitglied der Viktoriasänger); namens Sändig, leitete hauptsächlich die Unterhaltung durch humoristische Vorträge. Er hatte sich einen Zylinder, Gehrock, Stehkragen usw.
versorgt. Selbst an einigen Perücken fehlte es ihm nicht, die es ihm ermöglichten, sich als Zauberkünstler und in Verwandlungsszenen zu zeigen.

Von der Eisenbahnkompagine, die im Nebenraum einquartiert ist, war ein Trapez-Künstler anwesend der am behelfsmäßigen Trapez vorzügliches leistete, vor allem
Hang am Trapez nur im Nacken mit angelegten Händen. Klein-Paul führte als „Jumbo“ einen Schwertertanz auf und auch andere Kameraden zeigten Proben ihrer Kunst. Um 120 wurde erst Schluß gemacht.

Die Dresdner Victoria Sänger

waren eine 1903 gegründete humoristischen Herren-Sänger-Gesellschaft die über 30 Jahre Bestand hatte und meist mit eigenen Schauspiel-Konzerte in Lokalen und Varietés deutschlandweit auftrat. Sie verfügten schon früh über eine eigene Lichtanlage und Bühnendekoration. Nach dem 1. Weltkrieg nahmen sie auch Frauen auf. Wahrscheinlich löste sich die Truppe im Zuge der Gleichschaltung in der NS-Zeit auf.

Vergl. Richard John: Die deutschen humoristischen Herren-Sänger-Gesellschaften in Wort und Bild, Leipzig: 1940, S. 131f.. Link zum digitalisierten Buch

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