
Die Komp. ist auch heute in Ruhe. Der Tag verläuft wie üblich. Da wir demnächst in Ruhe nach Cirey kommen, möchte ich in folgendem einen Tag schildern, so wie wir ihn jetzt am Schlusse der in der Hütte „Villa Clara“ auf dem alten Feldküchenplatz verlebten Periode, erlebten.
Beim Morgengrauen, jetzt an den langen Tagen etwas später, erhebt sich Burger der uns dann weckt, sodaß wir um 7 fertig sind. Burger macht Feuer und kocht Kaffee,
ich schreibe einige Meldungen, die Vormittags einzugehen haben, mache überhaupt alles fertig, was Rieger mitnehmen muß. Dieser erscheint 3/4 8 auf der Bildfläche, wie üblich: Pfeife im Munde und handfesten Borgstock [??], immer bereit, einen mehr oder weniger Guten Witz zu reißen. Draußen jubilieren an schönen Tagen tausende von Vögeln ihr Morgenlied gen Himmel, unbekümmert um Kriegesnot u. Menschenleid. Nachdem Rieger abgefertigt ist, trinken wir Kaffee, wozu sich natürlich auch der Feldwebel einstellt, nachdem er genügend gejammert hat, darüber daß er aufstehen
muß. Oft haben sich inzwischen auch bereits einige Fahrer mit ihren Pferden abgemeldet, wenn sie zum Dienst bestimmt sind.
Nach dem Kaffeetrinken gehts an die Erledigung der Laufenden Sachen, welche heute zur Unterschrift vorgelegt werden müssen. Feldw. Winkler geht mittags hinaus nach dem Mittagessen. Dieses bringt Rieger-Berthold immer so zwischen 11 – 12:0 in einem großen Eisentopf von den Schuhmachern, die das Kochen besorgen. Nachdem der Feldw. fort ist, werden rasch die Privatschreibereien erledigt, weil gegen 2 Burger die Post stempelt und sortiert. Diese wird seit kurzer Zeit nicht mehr von den Komp. Offizieren gelesen, sondern durch Stichproben vom A. S. K. geprüft. Um 4:0 kommt
Stange-Paul (genannt der „Meier“) mit dem Esel und bald erscheint auch das Batl.
Postgefährt. Burger geht zum Sortieren. Ich fertige die Lebensmittelwagenleute ab
die zwischen 2-3:0 erscheinen. Sie erhalten eine Bedarfsanzeige für den nächsten Tag. Wenn der Feldwebel zurück kommt muß Rieger nochmals ins Btl. um die unterschriebenen Sachen abzugeben. Er versorgt bei dieser Gelegenheit den Btl. Stab mit Lebensmitteln für den folgenden Tag und bringt die Unsrigen mit. Abends stehen wir gewöhnlich auf der Veranda vor unser Hütte und unterhalten uns mit den Büromenschen der 2. Komp. (Feldw. Fischer, Gefr. Große, Utff. Seigenmüller).
Nach. Eintritt der Dunkelheit wir noch in wenig gelesen oder in die Heimat geschrieben. Vorher muß aber noch Wasser geholt werden. Dieses
holen wir abwechselnd etwa 10 Bline [??] entfernt an einem Quell. (1 Eimer zum Waschen, 3 Feldkessel zu Kaffee).
Zur Einrichtung der Hütte gehört ein Telephonapparat. Wir können uns dadurch manchen Weg ersparen. Es sieht sehr bunt aus. An der Wand hängt Säge, Spaten, Rechen, BeilJükte [??], Sachen, die immer gebraucht werden. Auf den Tischen, 2 provisorischen Wandregalen und auf den Bürokisten liegen Akten, Bücher und sonstige zu einem Geschäftszimmer nötige Gegenstände, hinter Burgers Platz liegt unanbringliche oder Urlauberpost, daneben lagern die 24 Übungsgasschutzmasken der Komp. und sonstiges Gasgerät. In einer anderen Ecke findet sich Offiz- Gepäck, Koffer
und die Komp.-Kammer, d. h. eine Kiste mit einigen neuen Stücken zu dringlichem
Tausch. Abends zwischen 7-8. kommen die Fahrer zur Dienstausgabe.
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