
Vormittags ist heißes, prachtvolles Wetter. Ich gehe in die Stadt und lasse mich bei Herzfeld photographieren. Auf dem Rückweg komme ich in ein Gewitter, derer im Laufe des Nachmittags sich mehrere entladen. Hellmut kommt nach Hause. Wir gehen miteinander in die Turnhalle auf der Hebbelstrasse und sehen, uns das Knabenturnen an. Es turnen von 1/2 5- 1/2 6 Knaben im Alter von 5 bis 7 Jahren und zwar in einer Abteilung die noch nicht schulpflichtigen und in der anderen die Schüler der 8, 7. und 6. Schulklassen. Die letzteren turnen recht gut, während die Kleinen natürlich nicht alle ganz bei der Sache sind. Man merkt aber bei allen die Lust und Liebe am ganzen Turnbetrieb. Von 1/2 6 – 1/2 7 turnen Knaben der 5. und 4. Schulklassen recht gut. Das Turnen der Ältesten von 1/2 7- 1/2 8 konnte ich mir nicht mehr ansehen, weil Hellmut keine Zeit mehr hatte. Fann [??] leitet das ganze Turnen sehr gut. Im Anfang unterstützte ihn noch Nitzsche. Außerdem halfen 2 Jungen aus der 1. Klasse.
Zum Schluß gabs ein kräftiges „Gut Heil“ zum Abschied. Hellmuth mußte 1/2 8 wieder im Seminar sein. Wo man unterwegw hinhört, vernimmt man Klagen über Nahrungsmittelnot. Die Eier sollen auch beschlagnahmt werden. Die Fleischerläden haben alle zu und machen nur auf wenn einmal etwas da ist. was dann immer zu großem
Andrang führt. Kartoffel sind sehr Knapp. Abends 9 gehe ich mit Mama zum Hauptbahnhof. Papa hat Dienst. Er kommt aber zum Zug, sodaß ich mich verabschieden kann. 10:30 fahre ich mit D Zug nach Leipzig. Ich wollte von dort mit dem 7 früh Zug nach Frankfurt fahren, da aber ein Urlauberzug bereits 12:48 abging benutzte ich diesen
mit einem 32er den ich getroffen hatte. Wir fuhren in 2er Klasse, da der Zug überfüllt war und konnten da recht bequem schlafen. Es ging über Halle, Kassel, Gießen, Wetzlar. Hier machten mir plötzlich alle mitfahrenden Kameraden weiß, daß der Zug nicht nach Metz komme, das seien nur die letzten Wagen gewesen. Eben erst aus dem Schlaf erwacht, ließ ich mich irremachen, weil alle anderen der Ansicht waren und stieg aus. Der Zug fuhr weiter und ich sah, daß er doch von Koblenz nach Metz fuhr.
Der Stationsvorsteher in Leipzig hatte mirs also ganz richtig berichtet. Mein 32er Begleiter war natürlich auch mit. Wir fuhren nun wieder nach Gießen, von dort bis Frankfurt a. M. und fanden dort den Anschluß, wie wenn wir erst um 7:0 von Leipzig abgefahren wären. Die Sache war also nicht schlimm, den wir hatten in der 2. Klasse ebensogut geschlafen, als wenn wir in Leipzig übernachtet hätten umd waren außerdem durch andere Gegenden gekommen.
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