Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Making Off

Wie kommt Kurt’s Tagebuch eigentlich ins Internet? Diese Frage taucht immer wieder auf, hier also mal ein Blick hinter die Kulissen:

Los geht es natürlich mit dem Tagebuch. Noch sind wir im ersten Band. Das Büchlein selbst ist in gutem Zustand und wirkt nicht besonders fragil obwohl es 110 Jahre alt ist.

Als erster Arbeitsschritt muss jede Seite eingescannt werden. Dafür macht Kurt’s Tagebuch einen Ausflug in die Unibibliothek. Um möglichst effizient und schonend zu scannen, benutze ich den professionellen Buchscanner in der Universitätsbibliothek der Uni Freiburg.

Nach dem Scannen sieht die Buchseite so aus:

Wer kann’s lesen? Ich leider nicht wirklich. Kurt schreibt zwar sehr sauber, aber ich bin einfach nicht genug mit dem Sütterlin vertraut, um eine solche Seite flüssig lesen zu können. Daher geht es im nächsten Schritt zu transkribus.org. Mit Hilfe dieses tollen Projektes kann ich Kurt’s Handschrift entziffern. Die Schrifterkennung von Transkribus liefert für den Anfang des Eintrages vom 1. Januar das folgende Ergebnis.

Freitag, den 1 Januar 1915
Noch in der Nacht gab es Leben, Eini¬
ge Kompagnien rückten vor, um
die Franzosen in ihrer Neujahrsfeier
zu stören, welche deren größte Fest
darstellt. In den frühen Morgenstun¬
den erscheint der Brigadekomman¬
chen und ein Sanitätswegen des
Batl. 63 und es währt nicht lange, so
bringt man zwei schwer verwundete
Franzosen und einen leicht ver¬
wundeten Kameraden herein. Um
Ihr kommenn, die vorgedrungenen
Kameraden zurück und bringen
6 Gefangene mit Sie haben die Franz
Feldwache ausgehoben. Beim Anblick
ihrer gefangenen Landsleute begonnen
viele Einwohner zu weinen und klag¬
ten: Ob grand malheure. Für unsere
Gegner war dieser Jahres beginn, eben
unangenehm. Am Nachmittag ging
ich mit dem Feldwebel nach dem
von der Kompagnie besetzten Petit
mont um Löhnung auszuzahlen.

Immer sind noch einige manuelle Korrekturen nötig. So auch in diesem Beispiel. Manchmal muss ich dabei ganz schön rätseln was da wohl wirklich steht. Vor allem Ortsnamen, Personennamen und Zeilenumbrüche sind herausfordernd. Der von mir korrigierte Text ließt sich nun schon viel besser und kommt mit ein paar Tags und Querverweisen dann auf den Blog, wo letztlich auch ihr ihn lesen könnt.

Freitag, den 1. Januar 1915
Noch in der Nacht gab es Leben. Einige Kompagnien rückten vor, um
die Franzosen in ihrer Neujahrsfeier zu stören, welche deren größtes Fest
darstellt. In den frühen Morgenstunden erscheint der Brigadekommandeur und ein Sanitätswagen des Batl. 63 und es währt nicht lange, so bringt man zwei schwer verwundete Franzosen und einen leicht verwundeten Kameraden herein. Um 9 Uhr kommen, die vorgedrungenen Kameraden zurück und bringen 6 Gefangene mit. Sie haben die Franz. Feldwache ausgehoben. Beim Anblick ihrer gefangenen Landsleute begonnen viele Einwohner zu weinen und klagten: Oh grand malheure! Für unsere
Gegner war dieser Jahresbeginn, eben unangenehm. Am Nachmittag ging ich mit dem Feldwebel nach dem von der Kompagnie besetzten Petitmont um Löhnung auszuzahlen.

4 Antworten zu „Making Off“

  1. Avatar von Michael
    Michael

    Danke.

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  2. Avatar von Carolin Petschler
    Carolin Petschler

    Wow! Juliane. Das ist wirklich cool! Daraus solltest du ein Buch schreiben…

    oder Hera Lind schreiben lassen,… ich glaube sie sucht immer nach solchen Projekten.

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    1. Avatar von Juliane
      Juliane

      Danke! Erstmal läuft das Blog Projekt bis 2029. Dann sehen wir mal weiter was wir mit dem Material machen.

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  3. Avatar von Esther

    unglaublich aufwendig, dieses Projekt zum Leben zu erwecken- danke für die Arbeit und das Durchhaltevermögen

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