Noch in der Nacht gab es Leben. Einige Kompagnien rückten vor, um die Franzosen in ihrer Neujahrsfeier zu stören, welche deren größtes Fest darstellt. In den frühen Morgenstunden erscheint der Brigadekommandeur und ein Sanitätswagen des Batl. 63 und es währt nicht lange, so bringt man zwei schwer verwundete Franzosen und einen leicht verwundeten Kameraden herein. Um 9 Uhr kommen, die vorgedrungenen Kameraden zurück und bringen 6 Gefangene mit. Sie haben die Franz. Feldwache ausgehoben. Beim Anblick ihrer gefangenen Landsleute begonnen viele Einwohner zu weinen und klagten: Oh grand malheure! Für unsere Gegner war dieser Jahresbeginn, eben unangenehm. Am Nachmittag ging ich mit dem Feldwebel nach dem von der Kompagnie besetzten Petitmont um Löhnung auszuzahlen. Es war ein herrlicher Tag, nicht wie im Winter. In Petitmont zeigte, uns Wappler, alle die Hinterhalte, und Schlupfwinkel, aus denen früher unser Patrouillen immer angeschossen wurden. Auf dem durch seine reich geschmückten Gräber interessanten Friedhofe, hatten auch mehrere unserer Kamerade ihre letzte Ruhestätte. Vor der Kirchhofmauer hatte beim letzten Gefecht die französische Artillerie gestanden und sehr gutes Schußfeld gehabt. Über uns kreist ein deutscher Flieger, wahrscheinlich um Aufnahmen der Franz Stellung zu machen, steht er lange auf einem Fleck, dabei wird er lebhaft von feindl. Artillerien beschossen. Natürlich erfolglos, die Geschosse schlagen über dem Walde bei Parrux ein. Als wir die Löhnung an den Unteroffiziersposten Nüßgen verteilten wurde dieser alarmiert. Glücklicherweise war es blind, denn mit unseren 1500,- M durften wir den
Franzosen nicht in die Hände fallen. Auf dem Rückweg besuchten wir das Grab von Uffz. Wolf, welches mit einem schlichten Holzkreuz und mit Zweigen usw. geschmückt war. Noch schöner war das daneben befindliche Grab von Uffz. Rößler von unserer 3. Komp. Auf der anderen Seite der Straße befand sich ein mit einem schlichten Holzkreuz geschmücktes Massengrab. Hinter dem schön gelegenen Dorfe Sal erhoben sich in majestätischer Wucht die Berge der Vogesen, deren Nordhänge waren noch mit Schnee bedeckt. Über all dieser Naturpracht wölbte sich der wolkenlose, blaue Himmel. Warum müssen sich die Menschen, auf dieser schönen Erden gegenseitig erschießen, wo doch Platz für so viele ist? In unseren friedlichen Betrachtungen wurden wir plötzlich durch einige nahe Schüsse erschreckt. Jenseits des Waldes waren ein paar Patrouillen aufeinandergestoßen. Bald hatten wir die Posten von Cirey wieder hinter uns, die 3. Kompagnie arbeitete fleißig an unserer Stellung. In der Ferne rollten die Geschütze ohne Unterbrechung.
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