Als die Sylvesterglocken den Jahreswechsel verkündeten, weilte ich mit
meiner Mutter und Hellmuth zu Hause. Der Vater war im Dienste. Ich hatte
Nachtzeichen. Im Leichtsinn der Jugend, ohne ernsthaftes Nachdenken,
verteilte ich meine Glückwünsche und empfing die herzlichsten Wünsche meiner Lieben, um dann nach der Kaserne zu eilen. In fleißigem Dienst bei der Rekrutenausbildung vergingen die ersten Wochen. Nach den gut ausgefallenen Besichtigungen hatte ich das Kommando eines Postholers, wobei mir viel Zeit blieb. Neben sonstigen Fortbildungsarbeiten benutzte ich diese zur Bearbeitung des von der Unteroffizier-Zeitung in Berlin ausgeschriebenen Preisaufsatzes „Der Wert der allgemeinen Bildung“. Von den 20 ausgesetzten Preisen erwarb ich mir dabei den 9. und erwarb mir dadurch außerdem das ganz besondere Wohlwollen der Utffze, meiner Kompagnie. Erhielt ich doch als einziger Gefreiter unter lauter Feldwebeln, Zahlmeistern und bereits beamteten Militäranwärtern aus dem ganzen deutschen Herre einen Preis. Ich hatte es jetzt sehr schön, jede Vergünstigung wurde mir gewährt. Sonntags ging ich nach Hause und verlebte die Abende im Kreise alter Freunde und Kameraden bei unterhaltenden Tänzchen usw.
In Mai begann ich mich, mit der Sächs. Bank wieder in Verbindung zu setzen. Ich hatte das Vertrauen der Direktion und einflußreicher Beamter für mich und durfte auf eine Wiedereinstellung nach Beendigung der Militärdienstzeit im Herbst sicher rechnen. Doch der Mensch denkt, Gott lenkt. 2 Tage nach Vollendung meines 23. Lebensjahres machten wir zum großen Schießen und Exerzieren nach Jüterbog. Von dort aus lernte ich die Reichshauptstadt kennen. Wegen erhöhter Kriegsgefahr wurden wir am 29.7. zurück befördert. Alle weiteren Erlebnisse legte ich in diesem Buche dar.
Nun ist dieses für Deutschlands Geschichte so bedeutungsvolle Jahr, hinter uns. Viel deutsches Blut floß auf fremden Auen. Doch es brachte uns überall Siege. In der festen Zuversicht, daß uns die Zukunft den endgültigen Sieg über unsere zahlreichen Feinde bringen wird, können wir in das neue Jahr eintreten. Mit dem Vertrauen auf diesen Sieg verbinde ich die Hoffnung, Zeuge des Friedens nach diesem Völkerringen zu sein und in friedlicher Arbeit das Vaterland wieder dahin zu bringen, von wo es durch Neid heimtückischer Völker verdrängt werden sollte.
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