Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Nachdem ich mich morgens am Bahnhof gewaschen hatte, treffe ich 1/2 8h den Zahlmeister, der von Rixingen kam. Wir fahren 1/2 9 mit dem D. Zug nach Straßburg. Es ist ein herrliches Wetter. Um 11 eingetroffen, machen wir uns auf den Weg zur Besorgung der notwendigen Sachen. Unterwegs sehen wir uns den Prachtbau des Straßburger Münsters an. Das vielgerühmte Glockenspiel hörten wir nicht, der Turm darf zur Zeit nicht bestiegen werden. Im allgemeinen ist’s das übliche Bild einer großen Stadt, nur daß dann u. wann die rasenbewachsenen Kassematten im Stadtbild auftauchen. Unter den Denkmälern der Stadt erregten meine besondere Aufmerksamkeit, die aus der Franzosenzeit herrührenden Statuen französischer Generale. Die Stadt ist im allgemeinen sehr schön. Oft sieht man noch altertümliche Gäßchen, welche die Bauweise zeigen, wie sie aus Schulbuchbildern in der Erinnerung schwebt. Im Rast. „Fürstenberg“ haben wir auf Zahlmnstr. Rechng. Mittag gegessen
(Schnitzel mit Kartoffel u. Bohnen). Abgesehen, daß es zu wenig war um sich satt zu essen war es ganz gut, wenn man bedenkt daß infolge fettlosen Tages nur in Wasser gekocht bzw. gebraten werden durfte. Auch die Geschütze hört man in Straßburg donnern, wahrscheinlich vom Übungsplatz. Mittags 2.40 fahren wir wieder ab zur Etappen- Kriegs-Kasse nach Zabern, wo der Zahlmstr. Geld holt (30000. – M). Wir hatten nur 1/2 Stunde Zeit, sodaß mir weiter keine Gelegenheit bliebt, daß durch seine
Affäre bekannte Städtchen anzusehen. Im D. Zug fuhren wir weiter nach Saarburg wo ich ausstieg, um noch Besorgungen zu erledigen. Der Zahlm. fuhr weiter. In Saarburg hatte ich Zeit, daß Städtchen richtig kennen zu lernen
Der Verkehr hängt nur von der militärischen Belegung ab. Z.Zt. ist es recht ruhig. Besondere Sehenswürdigkeiten gibts nicht. 9:45 fahre ich wieder ab nach Avricourt (jetzt Elfringen), wo ich den Munitionszug nach Cirey erwische. Dort um Mitternacht
eingetroffen, bin ich bald wieder an Ort u. Stelle. Ich erfahre noch, daß die alten Komp. vom IV. Batl. zu ihren alten Batl. zurückgetreten sind u. daß das IV. Batl. mit seinem ge [??] Ersatz hier bleiben soll, während wir demnächst fort (angeblich an die
Somme) kommen sollen.

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