Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

handschriftlich: Mittwoch, den 30. August 1916.

Nachdem es die ganze Nacht hindurch witterte, wird der Tag wieder sehr schön aber windig.

Utffz. Scholz, der einen Minenblindgänger trotz Verbot entleeren will wird bei plötzlich eingetretener Explosion desselben furchtbar schwer verwundet. Er verliert ein Bein
u. das andere wird so gefährlich verletzt, daß es auch noch abgenommen werden soll. Da zu noch Brandwunden im Gesicht und am Körper. Schrecklich.

Nachmittag kommt die Nachricht, daß der Reichskanzler, Herr v. Bethmann-Hollweg, abgedankt haben soll. Sollte er unsere Sache als verloren ansehen? Was sollen dann noch die Uneingeweisten hoffen? Es sind böse Tage, in denen wir stehen, möchte uns Gott glücklich darüber hinaus führen. Vielleicht ist der Friede nicht mehr so fern.

Nach dem Heerresbericht am Abend wird Herr von Falkenhayn zwecks anderweiter
Verwendung (man nimmt schon an: als Reichskanzler) seines Postens enthoben und dafür von Hindenburg zum Chef des großen Generalstabes ernannt. v. Ludendorff wird Generalquartiermeister. die ganze Führung des deutschen Volkes wird also nun den so
vorzüglich bewährten Militärs anvertraut, sie werden uns hoffentlich den Kürzesten Weg zum Frieden führen durch rücksichtsloseste Kriegsführung.

Um 60 nachm. ist Utffz. Scholz auf dem Hauptverbandsplatz Cirey gestorben. Der Tod war für ihn eine Erlösung. Wieder schied einer, der wenigen, welche nun seit Anfang
fern der Heimat stehen. Vor 2 Jahren, am 30.8.14, suchten wir zusammen Schutz vor einer Artilleriebeschießung in La Voivre. Wer hätte damals gedacht, daß heute noch Krieg sei? u. einer das Leben lassen müsse durch die grausame Wirkung der immer mörderischer werdenden Kampfmittel.

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