Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Originale handschriftliche Überschrift aus dem Kriegstagebuch: Dienstag, den 6. Juni 1916.

Ein Regen-Tag! die Komp[agnie]. rückt zum Felddienst nach Hettingen. Rückmarsch ab Kirche Bertrambois mit der Reg[imen]ts.-Musik.

Wir haben viel Arbeit. Abends muß ich nochmals nach Val fahren, um die Schießkladde vom Ronltwagen [?] zu holen. Der Feldw. fährt mit. Beim Leb[ens].- M[ittel].- W[agen]. essen wir Abendbrot. Es regnet in Strömen. Trotz der kurzen Fahrt sind wir bald durch.

Um 100 treffen wir wieder in Cirey ein, wo wir die Freudennachricht erhalten, daß Lord Kitchener der engl. Kriegsminster, mit seinem Stabe auf einer Reise nach Rußland ertrunken ist. Ob Mine oder deutsches Torpedo ist, noch unbekannt. In der Friedr[ich].- Aug[ust].-Kaserne neben unserem Quartier erschollen freudige „Hurras“ der Rekruten.

Die Einwohner verschwanden darauf sofort. Man kann es verstehen, wenn man bedenkt, daß sie nicht wissen, ob unsere Freude durch einen Sieg über die französischen Truppen hervorgerufen worden ist. Unsere Quartierleute bekommen
wir nicht zu sehen. Es sind 2 ältere Fräuleins, die nur zum Schlafen nach Hause kommen. Gesehen haben wir bis jetzt nur den alten Vater. Man fühlt sich trotzdem es bewohnt ist als Herr im Hause durch die lange Kriegsgewohnheit. Das Vorhandersein der Quartierleute zeigte sich heute darin, daß unsere Lagerstätten mit reinem Bettuch überdeckt waren.

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