Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Die Kompagnie kommt. in Batl. Reserve. der Feldwebel ist den ganzen Vormittag nicht da. Ich fahre nachmittags 2:20 nach Val, wo ich Henzner-Paul aufsuche und mich dann auf den Weg über Petitmont nach Harbouey mache, wo ich Alfred besuche. Der Spaziergang war mir sehr interessant, kam ich doch entlang der 2. Stellung der 15. Brigade und 47. Brigade durch das Bois de la Tour, in dem wir im Winter 1914/5 unsere Feldwache hatten. Ich kreuzte die Straße Cirey -Parux und kam zuletzt auf die Straße Cirey-Harbouey. Letztere ist etwa die letzten 1000 m vor Harbouey in ihrer ganzen Länge an der linken Seite durch 3m hohe Maskierungen aus frischen Birkenzweigen der Einsicht des Feindes entzogen, welcher die Straße durch seine Artillerie sehr gut bestreichen kann und gelegentlich auch bestreicht. Der Ort Harbouey ist fast völlig
zerschossen. In den Kellern der Häuserüberreste, die zu guten Unterständen ausgebaut sind wohnen Lanzer. Alfred liegt in einem noch erhaltenen Hause, schläft aber natürlich auch im bombensicheren Unterstand unter der Erde. Ihm gefällt es soweit recht gut. Er
hat auch noch Glück gehabt. Trotzdem ihm auf seinem Wege zur Schanzarbeit in der Stellung des Regt. 40 die Gefahr der Artilleriebeschießung droht und seine Abteilung daher immer nur einzeln mit großen Abständen nach und von der Arbeit gehen kann, ist er doch bei weitem besser daran wie als Infanterist. Er hat immer einen Tag Ausrückens dann einen Tage Ruhe im Wechsel und alle Sonntage frei.
Wir wandern beim Austausch der Gedanken durch die Ruinen des Dorfes. Von der Kirche steht noch eine Mauer mit den großen gothischen Fensteröffnungen. Vom Dorfrand sieht man die Nachbarorte Barbas, Nonhigny, Fremonville, das Forsthaus von Blamont. Im Gelände schießt die Artillerie, Links in der Ferne erheben sich über das kahle, fruchtbare Hügelland die gewaltigen Waldhöhen der Vogesen, in deren Schutz
wir tagein, tagaus hausen. Am Horizont vor uns beginnt ein Wäldchen dessen jenseitigen Wald der Feind besetzt hat. Jedes Schießen unserer schweren Geschütze, beantworten die Franzosen prompt mit einem Bombardement von Harbouey weswegen alles bereits in die Unterstände geht, wenn unsere Artillerie schießt. Auf
der Hauptstraße ist eine Glocke vom ehemaligen Kirchturm in ein Gerüst gehangen. Sie wird angeschlagen, wenn Flieger nahen. Um 8:0 Abends mache ich mich auf den
Rückweg, nachdem wir vorher noch schnell gemeinsam einige Karten nach Dresden,
Borstendorf und Haselbach schrieben. Ich ging gleich querfeldein, nachdem ich einmal
orientiert war und legte die 8 km bis Val durch Geschwindschritt in etwas knapp 1 1/4 Stunde zurück. In Val faßte ich noch schnell die Löhnung usw. (2106M) in der Kass.- Verw. und schlief nach der Anstrengung des raschen Marsches beim Lebensmittelwagenkommando recht gut.

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