Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Der erste Urlaubstag! Prachtvolles Wetter. Papa ist heute auch da. Er hat keinen Vollbart mehr und ist nicht mehr so dick. Vormittags gehe ich zur Kommandantur, um mich anzumelden. Anschließend hole ich mir im Rathaus die zahlreichen, jetzt nötigen Marken. Ich erhalte für die 10 Tage: 2 Buttermarken für je 1/4 Pfund, 2 Fettmarken für je 1/4 Pfund, 2 Kartoffelmarken für je 7 Pfund, 42 Fleischmarken für je 20 g Fleisch ohne
Knochen oder 25g Fleisch mit Knochen, 35 Brotkarten für je 100 g. Diese Marken machen aber nicht satt und es ist unbestimmt ob ich alles, wozu sie mich berechtigen, auch erhalten kann. Geld braucht man sehr viel. Ein 4 Pfund Brot kostet: 70 pf, ein Pfund Rindfleisch 3.40 M, es ist aber schwer zu erhalten, auch wenn man alles bezahlen kann. Schlimm sind die Leute dran, denen es auch noch an Geld fehlt. Zum Glück gibt es immer noch viel Arbeitsgelegenheit. Die kaum der Schule entwachsenen Bürschchen
machen sehr elegant, da sie viel verdienen. Abends besuchte ich die Turnhalle, wo verhältnismäßig großer Betrieb ist allerdings meist Zöglinge. Engel-Arthur turnt
noch fleißig vor. Bradel ist auch als Besucher da in Schützenuniform. Er und andere, die bei mir als Zöglinge turnten als ich eintrat, sind jetzt ebenfalls eingezogen. Die ganze Jahresklasse 1916 ist auch bei uns schon unter den Fahnen, zum Teil im Feld.
Nach dem Turnen trinken wir noch einige Glas Bier in der Krone. Schier ist auch als
kriegsverwendungsfähig ausgehoben. Er war daher heute das erste mal turnen, mit ihm Bombach, der aber nicht eingezogen wird. Ich treffe auch Hans u. Frl. Wolf, die sehr erstaunt waren, mich plötzlich hier zu finden. Martin kam auch. Dieser muß wahrscheinlich morgen ins Feld zur 19. Ers.- Division.

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