Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Nachdem am Vormittag noch das schöne Wetter der letzten Tage herrschte, gabs nachmittags Gewitter, Schloßen und Regen, unterbrochen von Sonnenschein, also rechtes Aprilwetter. Im Gelände die Ruhe der letzten Zeit. Die Post bringt mir ein kleines Paket mit Pfefferkuchen, abgesandt am 30.3., und ein Großes mit der gewünschten Wäsche und ebenfalls Pfefferkuchen sowie Pfefrfornung[??], Salmiekpastillen, Zucker und Seifengulaer [??]. Letzteres von Mama fürsorglich beigelegt, damit ich etwas zum
Taschentücherwaschen habe. Sie weiß eben nicht, daß ich soviel Seife, wie ich hierzu nötig habe, bereits fassen konnte. Abends wäscht sich der Feldwebel. Währenddessen gehe ich zu den Schuhmachern, wo wir ein Skätchen spielen. Ich erhalte wieder eine Nr. der Zeitschrift „Hilfe“ mit ihren zeitgemäßen Aufsätzen. Professer Brentano, bei dem ich mich des Interesses wegen über die Finanzverhältnisse nach dem Befreiungskriegen, nach dem 7 jähr. Krieg, nach 1870/71 und nach dem japanischen Krieg eingehend erkundigte, teilt mir mit, daß darüber abgeschlossene Werke der Wissenschaft noch nicht existieren, soweit solche überhaupt zu machen gehen, sind sie noch in Bearbeitung. Ich wollte gern mir aus diesen Verhältnissen bei früheren Weltereignissen meine Meinung über die Zukunftsaussichten bilden, was nun nicht so einfach ist ohne Unterlagen.

    Hinterlasse einen Kommentar