Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Originale Kriegstagebuchüberschrift: Dienstag, den 14. März 1916.

Morgens 60 mache ich mich auf den Weg in die häusliche Waldeinsamkeit. Ich fahre mit vor bis zur Basse-Mühle. Es ist heute ein prachtvoller Frühlingsmorgen. Alle die gefiederten Bewohner der stillen Wälder jubeln der aufgehenden Sonne ihre Freude am Wiedererwachen der Mutter Erde aus dem Winterschlaf entgegen. Beim hören der frühlingsfrohen Vögel und beim Schauen all‘ der Naturherrlichkeiten vergißt man rasch die eiserne, blutige Zeit. Doch nicht lange und das Brüllen der Geschütze ruft den Geist zur Wirklichkeit.

An Stelle des am Sonntag verwundeten Ltnt. Woermann wird Ltnt. Völkerling Regiments-Adjudant. Die Kanonen donnern wieder den ganzen Tag. Alles ist in Gefechtsbereitschaft, weil angeblich Anzeichen auf einen bevorstehenden Französischen Angriff im 70er Abschnitt deuten sollen. Gegen 60 Abends erreichte das Artilleriefeuer in unserem engsten Kreis ohne eine Heftigkeit, wie seit 4.3. nicht mehr vorgekommen.

Eine in Val gefundene Eisenstange ließ ich gestern durch die Ablösungsgeschirre mit herausnehmen und unser Schuhmacher Knorr befestigt sie heute zwischen 2 Bäumen
als Reck. Hierüber konnten wir uns aber nicht erfreuen, denn es zeigte sich, daß wir dabei den Feldwebel als Gegner haben, welcher ja immer die altertümlichsten Anschauungen hat.

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