Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Das gestern so herrliche Frühlingswetter ist heute in Regen umgeschlagen. Die Kompagnie erfreut sich ihrer Ruhe. Der neue Führer, H. Leutnant Heinicke, erwirbt, sich
sehr schnell das Vertrauen und die Achtung seiner Untergebenen. Mit Bedauern denken, die, Kameraden daran, daß er uns nach 4 Wochen wieder verlassen soll, um Herrn Hptm. Ehrentraut Platz zu machen, welcher als Führer der 4. Komp. bekannt ist. Die Ruhezeit gibt dem Soldatenhumor ganz besondere Gelegenheit, sich zu zeigen. Man sieht in dem längst von der Zivilbevölkerung geräumten St. Sauveur plötzlich zwei Grenadiere Arm in Arm mit je einem eleganten Dämchen. Bei genauerer Betrachtung des völlig ungewohnten Bildes entdecht man aber, daß auch die Dämchen Kameraden sind, welche sich verkleideten. Einige über den Scherz erfreute Artillerieoffiziere verewigten ihn, auf der Photographenplatte. Die Kameraden lieferten heute sehr viel große Pakete mit alter Wasche aus, aber so wurden viele hundert Mark nach Hause geschickt, denn es hatte wieder sogenannte Beutegelder (d.h. Taxegelder aus Zwangsauflagen) in Höhe von 4,50 M gegeben. Am Abend hatte ich im Quartier des Utff. Rothe noch einige, angenehme Stunden. Er hat eine schön Litographie unserer Stellungsbehausungen angefertigt.

Hinterlasse einen Kommentar