Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Beim Erwachen erschallt, bereits wieder lebhaftes Geschützfeuer aus der Gefechtsline. In der Nacht hatte ein Zug unserer 2. Komp. beim Zerschneiden der Drahthindernisse, schwere Verluste. Offiz. Stellv. Böhme ist gefallen Ltn. Grundmann liegt verwundet zwischen den beiden Stellungen und kann erst am Abend unter dem Schutz der
weißen Flage zurückgeholt werden. Die links von uns kämpfenden 9. Jäger (Ratzenburg) haben festgestellt das uns auch Engländer gegenüberstehen. Unser Batl. Kommandeur Oberst Leutnant Thilo-Schade, wurde durch einen Schuß in den linken Oberschenkel leicht verwundet. Hauptmann Stephani übernimmt die Batl Führung. Wir erhalten Ltnt. Fiedler 3. Komp. zum Komp. Führer. Gegen Abend entwickelt sich ein heftiges Artillerieduell und nach Eintritt der Dunkelheit rasendes Gewehrfeuer im Walde. Das übliche Schießen des Gegners ins Ungewisse, um uns vom Vorgehen abzuhalten. Es ist eine grenzenlose völlig unverständliche Munitionsverschwendung. Viele sogenannte Lügenbefehle (erfundene Sachen) machen die Runde. So soll z. B. mit Japan ein Sonderfriede geschlossen und bei Petitmont österreichische Motorbatterien aufgefahren sein.

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