
Früh 1/2 50 weckt mich der Feldwebel und beauftragt mich, die Komp. zu wecken. Tastend und dann und wann im Innern der belegten Scheunen und Häuser mit der Taschenlampe leuchtend führte ich diesen Befehl aus und war froh, trotz des vielen Stolperns noch mit heilen Gliedern weggekommen zu sein. Als ich kurz vor 3/4 50 zurückkehrte, war Befehl zum sofortigen Abmarsch eingetroffen, sodaß ich alle Quartiere nochmals durcheile und dies ansage. Um 50 stand auch die Mehrzahl bereit, aber die neuen Ersatzleute aus Zittau nahmen sich Zeit und kamen mit einzelnen Grenadieren zu spät. Dem erzürnten Komp. Führer wurde als Grund, zu wenig Zeit angegeben, worauf dieser wütend nach dem Wecker rief. Dies war ich und als Folge fasse ich die erste Nase in diesem Kriege. Dabei war ich unschuldig und büßte für meinen Feldwebel, dieser wollte den Leuten etwas mehr Ruhe gönnen und ließ anstatt um 40 um 50 wecken. Er dachte, es würde wie gestern abmarschiert. Ich durfte selbstverständlich nichts sagen und machte den Sünder. Der Hauptmann wollte mich zum Frontdienst verwenden, wenn es nochmals vorkommen sollte, damit ich merke,
wie es ist, ohne Kaffee abzurücken. Heute wurde nicht weit marschiert, es ging in das rechts von Badonviller liegende Neuviller, wo das Batl. mit der Bagage hinter den Häusern in Deckung halt machte. Mittags rückte die 1. Kompagnie als Vorposten in den Wald. Die Gefechtsbagage bleibt mit dem Batl. im Ort. In einem niedrigen Hause erledigen wir heute viele dringende Arbeiten. Unter anderem den Lohnungsrapport für August welcher wegen der zahlreichen Verluste recht schwierig wird, zumal wir in dem damaligen Betrieb nur dürftige Unterlagen sammeln konnten. Um 90 vormittag erlebte ich eine ergreifende Zene. Ein Gardereiter, hatte gestern den Heldentod fürs Vaterland
gefunden und wurde auf dem Friedhofe rechts der Kirche beerdigt. Es war eine schlichte, ernste aber eindrucksvolle Feier, hinter dem rohen Brettersarg ging der Brigadekommandeur Excellenz von Hennig, ihm folgten mehrere Offiziere, Unteroffiziere und viele Mannschaften, sodaß der kleine Friedhof nicht alle bergen konnte. Nach der ergreifenden Grabrede des Divisionspfarrers, hielt der General eine die Lebenden zu neuen Taten hinreißende Nachrede und dann hieß es Helm ab zum Gebet. Schweigend gingen die in den Kriegswochen im Aussehen verwilderten Krieger auseinander. Konnte nicht jeder der nächste sein? Von weiter hatten sich auch viele Ortseinwohner, eingefunden, was mochten sie über dieses deutsche Barbarentum denken. Abends, nach Eintritt der Dunkelheit kommen die Lebensmittelwagen. Mit diesen fahren wir dann wieder zurück während der Lebensmittelabgabe knallt neben uns ein Schuß dem Feldw. Winkler bald zum Opfer gefallen wäre. Ein Artillerist hatte seinen Karabiner nicht gesichert, wodurch leicht ein Unglück geschah. Morgens 20 kommen wir nach Frémonville, wo wir in einer Scheune noch einige Stunden ruhen.
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