
Nach dem gestrigen Verschlafen wurde ich heute ganz besonders pünktlichgeweckt. In Ruhe konnte ich meinen Kaffee trinken, um mich alsdann von meinen liebenswürdigen Wirtsleuten und ihrer kleinen Nichte zu verabschieden. Vorher mußte ich versprechen, allen einmal zu schreiben. Weil es heute noch zeitig war machte ich den Umweg über die Wintergartenstraße, und besuchte dort auch Louis Oswald. Dieser hatte als Ersatz Reservist Pferdetransport gehabt und war noch ermüdet. Über meinen Besuch war er sehr erfreut. In der Kaserne gab’s viel Arbeit. Durch das Abrücken, des Regiments war Platz geworden. Wir zogen in die Reviere der Leib- und gemischten Ersatz-Brigade. Von heute ab bildeten die 1. und 2. Kompagnie vom Ersatz Bataillon 100 und die 3. u. 4. Kompagnie vom Ersatz Bat. 101 das mobile Brigade-Ersatz-Bataillon 45, welches zur gemischten Ersatz-Brigade zählte. Als Brigadeschreiber der letzteren war mein Freund Uffz. Wolf befehligt. Mein Korporal, mit dem ich Rekruten ausbildete, Unteroffizier Vetter war dem Rekrutendepot zugeteilt, welches sein Ausbildungsexerzieren heute begann. Unser Bataillon sollte von jetzt ab stündlich bereit sein abzumarschieren. Wir waren es aber noch nicht daher mußten wir unsere Arbeitskraft bis aufs äußerste aufkommen. Durch Unkenntnis des Schreibers vom Er. Batt. 100 hatten wir zahlreiche Garnisonsdienst fähige Leute mit erhalten. Diese wurden heute alle zur 3. Komp vom Ers. Batt 100 geschickt, wir erhielten dafür soweit nötig Felddienstfähige Mannschaften. Durch das wiederholte Aus- und Einkleiden, durch Streichen und Neuaufnahmen, in den Listen entstand, viel überflüssige Arbeit. Abends sollte alles in der Kaserne schlafen. Die meisten Kameraden leisteten aber den Einladungen ihrer Wirtsleute folge und gingen nochmals in ihre Quartiere, welche alle sehr gut waren. Ich setzte mich auf die Straßenbahn und fuhr zu Muttern, um mich im altgewohnten Bett zu aalen.
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