Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Sehr schöner Vormittag! Mittags setzt Sturm und Regen ein, sodaß unsere Hütte in allen Fugen kracht. Der Feldwebel kommt am Morgen aus Val zurück. Aus dem Div-Befehl ersehe ich, daß Kollege Haferland, der seit kurzem Leutnant d. Lw. [??] bei Gren.- Leib- Rgt. 100 ist, das Ritterkreuz II. Kl. zum Albrechts Orden (Ak. II) erhalten hat, wozu ich Glück wünsche. Die Post brachte mir eine neue Asg [??] der „Hilfe“ in welcher die neugeplanten Steuern sehr gut erläutert werden. Da heißts viel lernen, um nach dem Krieg nicht gegen die Gesetze zu verstoßen. Im Gelände viel Artillerietätigkeit. Die 3. Komp. geht heute mit Musik ins Theater. Mittags sägen wir Feuerholz was ja in der Nachbarschaft liegt. Bequemer kann die Holzversorgung nicht sein. Mangels der Sesshaftigkeit ist nur immer kein trockener Vorrat da. Nach den Gerüchten sollen die von uns gefangenen Kameraden dem Gegner viel verraten haben, darunter manches, was mit Leichtigkeit verschwiegen werden konnte. Die zusammen, gestellten Aussagen hatte der später von uns gefangene französische Offizier einstecken. Die Franz. Gefangenen sind nicht so mitteilsam, schaden also ihren zurückgebliebenen Kameraden auch nicht so sehr, wie uns die unserigen. Die Excellenzenstraße [??]
ist infolge der Verrätereien kaum noch gangbar ebenso die Zugänge zum II. und III. Batl.

Eine Antwort zu „Dienstag, den 28. März 1916“

  1. Avatar von Andreas
    Andreas

    „Lw.“ ist die Abkürzung für „Landwehr“, also die erste Reservistenstufe der Armee; Leutnant Haferland war somit, anders als Kurt, aus dem Reservistenstand zu den Waffen gerufen worden und dementsprechend vermutlich älter als der Autor.

    „Asg.“ dürfte ein Flüchtigkeitsfehler für „Ausg.“ (= Ausgabe) sein, denn die „Hilfe“ war ja, wie wir aus früheren Einträgen wissen, eine Zeitschrift, die Kurt abonniert. hatte.

    „Excellenzenstraße“ erschließt sich mir nicht, könnte aber die spöttische Bezeichnung für einen „bequemen“ Zugangsweg zum eigenen Grabensystem sein, der vor allem gern dafür genutzt wurde, höheren Offizieren bei „Frontbesuchen“ einen mühelosen Transport bzw. Anmarsch zu ermöglichen.

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