Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

handschriftliche Originalüberschrift aus Kriegstagebuch: Mittwoch, den 8. März 1916.

Ein prachtvoller Wintermorgen! Ich mache mich gleich früh auf den Weg nach Val und
Cirey zum Zahnarzt. Es war grimmig kalt aber ein selten schöner Genuß fürs Auge. Bewaldete Gebirgslandschaft, schneebeladene Tannen, über aller Pracht der azurblaue, wolkenlose Himmel und die aufsteigende Märzsonne, der es erst gegen Mittag gelingt, die Kälte für kurze Zeit zu überwinden und die Wege aufzuweichen.

In Val esse ich beim Lebensmittelwagen zu Mittag. Unterwegs bei Norroy entgleiste der Zug, mit dem ich ein Stück gefahren bin, sodaß ein mit Brettern schwer beladener
Wagen über den Damm in den Bach fiel. Glücklicherweise kamen Menschen nicht in Gefahr.

Ich besuche nach dem Essen Henzner-Paul in Val, der immer noch Ortskommandoschreiber ist. Er hat sogar die Gefreitenknöpfe erhalten. Von Cotta weiß er auch nichts neues zu berichten. Nachmittags gehe ich dann zur Zahnstation nach Cirey.

Unterwegs begegne ich einem Trupp Rekruten, die mit Holzgewehren zu Zielübungen ausrücken. Während ich mich beim Offizier melde, höre ich meinen Namen aus der Abteilung. Die kürzlich von uns zum Rekruntendepot versetzten Mannschaften waren dabei. Sie fühlen sich doch jetzt sehr wohl, haben sie ihre Ordnung und Nachtruhe. Alle werden dick. Es sind auch viel Mannschaften aus der Heimat dazu gekommen, sodaß das Depot jetzt wieder voll ist. Unser ehemaliger Feldküchenfahrer Riedel und viele andere Bekannte sind wieder mit in Cirey, nachdem sie wieder felddienstfähig sind. Mit dem Plombieren kam ich heute sehr schnell daran trotzdem als letzter der Anwesenden.

Die Schönheit das Tages und der Landschaft genießend bummele ich langsam nach Val zurück, wo ich nach anregender Unterfaltung mit unserem Idealisten Emmel gut schlafe.

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