Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Originale Überschrift aus dem Kriegstagebuch, handschriftlich: Mittwoch, den 1. März 1916.

der Feldwebel konnte auch in der vergangenen Nacht vor Aufregung nicht schlafen und war um 3° einmal aufgestanden, um zu essen. Die Komp. kommt heute in Abschnittsreserve. Deshalb mußte der Fw. um 100 hinunter zu den Feldküchen. Mittags 12o gehe auch ich hinunter. Wir zahlen Löhnung und Brotgeld aus.

In der Komp. ist die von Erwartung, ein wenig Angst und Begeisterung erfüllte Stimmung vor dem Kampf. Geht es doch um 50 hinüber zur Ablösung in den neu gewonnenen Abschnitt, in welchem bisher jede Komp. Verluste hatte. Alles packt Sturmgepäck, wobei es recht lustig zugeht, natürlich mehr eine Art Galgenhumor.
Man spricht nur vom Marsch nach Baccarat. Einer wäscht sich die Füße, um gut dahin
laufen zu können; der andere zieht neue Leibwäsche an, um in B. nicht aufzufallen; der nächste will es nicht erwarten können, bis er vom französischen Wein in Baccarat trinkt und so weiter. Mit diesen Glossen vergeht die Zeit, ohne daß empfindliche Gemüter groß dazu kommen, sich das Leben zu erschweren, indem sie daran denken, daß in
wenigen Stunden der Tod an sie herantreten kann.

Feindliche Artillerie schoß heute an zahlreiche Stellen unseres Abschnitts dabei auch
in die Nähe des Apts.-Hauses, sodaß in unserem ehemaligen Geschäftszimmerunterstand die Fensterscheiben zerschlagen wurden. Der Zahlmeister
zeigte uns einen dort gefundenen Splitter. Danach haben die Franzosen ganz neuartige Munition. Es war sehr harter spröder Stahl mit furchtbar scharfen Splitterungskanten und silbrigem Aussehen.

Der Feldwebel ließ mich lange mit unten warten, weil er die Höhe für zu gefährlich hielt und auch nicht mehr hinauf wollte. Später ließ er mich gehen, blieb aber selbst unten und schlief bei den Offiziersburschen. Um 50 rückte die Komp. gruppenweise hinüber in die neue Stellung.

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