Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Ein herrlicher Tag. Vormittags die lebhafte allgemeine Gefechtstätigkeit der letzten Zeit. Doch der Tag stand im Zeichen der Erwartung. Sollte doch des II. Batl. angreifen. Beizeiten wurde unser Tischtelephonapparat weggeholt, weil er im Gefechtsunterstand der Führung benötigt wurde. Wir erhielten inzwischen einen alten Apparat. Mittags 12:0 begann unser Minenfeuer auf das anzugreifende feindl. Grabenstück.
Durch Frühzerspringen einer Mine wurden dabei 4 Mann von uns verwundet, doch auch der Gegner wurde nicht verschont. Nachmittags 4:0 setzte eine heftige Beschießung durch unsere Geschütze von Vala und der Ginsterhöhe usw. ein. Auch die schwere Batterie Loubeau [??] feuerte. Bald hörte man auch Maschinengewehrfeuer. 1/2 7:0
abends wurde durchs Telephon gemeldet, daß der Angriff des II. Batl. geglückt sei und ca. 40 Gefangene in unserer Hand sind, die infolge des Artillerie-Sperrfeuers nicht zurück konnten. Die feindl. Geschütze schossen bei dem Versuch, unsere Artillerie zum Schweigen zu bringen auf unsere Höhe, kommen aber nur bis ca. 300 rechts u. links von unserer Hütte. Der Feldwebel wäre deshalb am liebsten weggezogen. Wie sich abends noch herausstellte waren es genau 31 Gefangene, 1 Minenwerfer mit 200 Minen (die so¬
fort den Feinden entgegen geschleudert wurden) 1 Rakolvorkanone [??], die in unsere Hände fielen. Die Beschießung der gegenseitigen Artillerie verstummte auch nachts nicht. Die Franzosen versuchten bei Tagesanbruch einen Gegenangriff. Der Feldwebel konnte vor Aufregung nicht schlafen und lief immer draußen herum trotzdem er etwa
drohendem Unglück damit nicht aus dem Wege gehen konnte. Nachmittags machten
Burger und ich Feuerholz. Es war ein sehr schöner Tag. Mittags kreiste ein Flieger über uns.

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