Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Nachdem es in der Nacht geregnet hatte, wird heute wieder prachtvolles Wetter. Gegen Mittag ruft uns der Batl. Schreiber an und teilt mit: „Tante wird zur 11./23 versetzt.“
Mit Tante nannte er Herrn Leutnant Preßpich, welcher wegen seines weibischen tantenhaften Wesens bei den Kameraden nur unter diesem Spitznamen bekannt ist. Diese Mitteilung erregte überall Freude, denn er erwarb sich nirgends Freunde. Der Zufall will es, daß er gerade zu der Komp. versetzt wird, zu der er im April bei Bildung des III. Batl. alle die Leute der 1. Komp. versetzten ließ welche er nicht leiden mochte.
Ich gehe am Abend nach Val, weil ich bereits morgen früh 9:0 zum Zahnarzt nach Cirey bestellt bin. Nach einem Skätchen bei Dutschke und angenehmer Unterhaltung mit
Emmel schlafe ich beim Lebensmittelkommando. Man fühlt sich wie wenn man in der Heimat bei Verwandten auf Besuch weilt.

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