
Auch heute gab es viel Arbeit. Im Gelände zeitweise lebhaftes Schießen der Artillerie. Beim Morgengrauen hatte sich am Drahtverhau unserer Komp.Stellung ein französischer Überläufer eingefunden, welcher mit einem großen weißen Tuch winkte und rief „Nicht schießen“. Kamarad Heyne von der Kompagnie ging hinaus, verband ihm die Augen und führte ihn zum Hauptmann. Aus Freude, daß Heyne nicht geschossen hatte, klopfte er ihm mit den Worten „Bon camerad“ wohlwollend auf die Schulter und drückte ihm eine Rolle Franken in die Hand,welche dem Überläufer später wieder zurückgegeben wurden.
Ich habe ihn selbst nicht gesehen, aber er soll einen außerordentlich intelligenten Eindruck gemacht haben. Nach seinen Aussagen befindet er sich 16 Monate im Felde und hat den Krieg satt. Es sollen noch andere haben überlaufen wollen, sie hätten sichs nur nicht getraut. Er will mit einer Abteilung zum Arbeitsdienst gerückt sein, wobei er sich seitwärt geschlagen habe und im Dunkel der Nacht bis an unser Drahtverhau gekommen sei. Dieser seltene Zwischenfall bildet natürlich heute das Tagesgespräch. Der Franzose wanderte vom Komp.-Führer zum Batl-Stab, von dort zum Regts- Stab, dann zur Brigade usw., um überall verhört zu werden.
Von der 2. Kompanie wird ein Gefreiter verwundet.
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