Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Die Kompagnie kommt heute vormittag in Reserve, was sich bald recht deutlich darin zeigt, daß bei uns ein Betrieb wie im Taubenschlag herrscht, da kommen die Kameraden, um eine Änderung in ihren Verhältnissen zur Eintragung in die Stammrolle bekannt zu geben oder um das Postquittungsbuch einzusehen, weil ein abgesandter Geldbetrag daheim nicht ankam oder um eine 2. Winterdecke zu fassen, einen Rock, ein Hemd, eine Unterhose, eine Säbeltroddel, ein Paar Socken oder was sonst zu tauschen; Auskunft über alles nur Denkbare wird erfragt. Der Feldwebel ist den ganzen Tag unterwegs wegen Unterbringung der Komp., Arbeitsdienst einteilen, Dienstausgabe usw. Es ist ein prachtvolles Wetter. Im Gelände herrscht auffallende Ruhe, bis dann plötzlich nachmittags 4:0 unsere Minenwerfer und Artillerien Verderben in die französischen Linien schleuderten. Merkwürdigerweise verhielt sich der Feind völlig ruhig, er ließ die Beschießung unerwidert, woraus man schließen könnte daß er vielleicht gar Artillerie von der hiesigen Front wegzog. Zufolge des gestrigen Divsionsberichtes wird vermutet, daß die Franzoson vor Ers. I. Rgt. 23 durch Regalloria [??] abgelöst worden sind. Der Herresbericht am Abend lautet so, daß man in dem Glauben an erhöhte Tätigkeit an der Westfront bestärkt wird, wurden doch an 3 Stellen die feindl. Linien auf 1000 – 1700 m Breite gestürmt. Am späten Nachmittag verunglückten die Lebensmittelwagenlories wieder an der alten gefährlichen Stelle, diesmals zum Glück, ohne einem der Begleitleute zu schaden. S. M. der Kaiser hat S. Exc. Herrn Generaoberst v. Falkenhausen à la suite des Garde-Gren. Rgt. Nr. 4 gestellt, dessen Kommandeur er früher war.

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