Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Ein schöner Frühlingswarmer Tag. Im Gelände Ruhe, nur in weiter Ferne zeitweise lebhaftes Geschützfeuer. Ein Maschinengewehr der Franzosen bestreicht die Mitte der Kompagniestellung „Höhengraben“, ohne Schaden an zurichten. Gegen Abend mache ich einen kleinen Bummel durch die Umgebung unserer Hütte und erfreue mich an
einem prachtvollen Sonnenuntergang sowie an dem friedlichen Blick nach der Vala Mühle, welche weltfremd u. unberührt von, den Vernichtungen des Krieges zu meinen Füßen tief unten im Tale liegt, während sich dahinter die waldbewachsenen Berge wieder hoch erheben. Soweit der Blick schweift, sieht man Wälder und Berge, welche zuletzt am dunklen Blau am Horizont verschwinden, durch die klare Abendluft ertönt von Zeit zu Zeit der kurze Ruf eines unbekannten Vogels, nur selten stört ein Schuß
den Frieden der Natur.

Erlaß S M. des Kaisers bestimmt, daß im Bedarfsfalle durch einen Armenführer 20, durch einen Divi¬ sionskommandeur 12, durch einen Brigadekommandeur 8, durch einen Regimentskommandeur 4 Portionen Mundverpflegung täglich erhoben werden kann. Dieser Befehl ist nur allzuberechtigt, wenn man bedenkt, daß gerade in den Gefechtstagen diese Herren sehr viel Besuch zwecks wichtiger Besprechungen empfangen und selbstverständlich auch bewirten müssen. Doch ein schlimmes Bild gibt der Zusatz des Regts.-Kommandeurs, welcher befiehlt: „Zusl. des obigen Erlasses sind für mich täglich 4 Portionen zu fassen.“ Dieses tägliche fassen von 4 Portionen für eine Person ohne Rücksicht auf die Notwendigkeit entspricht ganz sicher nicht dem von S. M mit obigem ausgesprochenen Willen.
Es zeigt eine vollkommen unpatriotische Verachtung der für unser liebes Vaterland nötigen wirtschaftlichen Sparsamkeit, die das gute deutsche Herz mit Zorn erfüllen muß.

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