Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Überschrift: Montag: den 17. Januar 1916

Die Komp. bezieht am Morgen wieder den Schützengraben. Der Feldwebel fährt mittags nach Val.

Es ist ein prachtvoller, sonniger Tag. Das schöne Wetter lockt verschiedene Flieger heraus welche über uns surren und lebhaft befeuert werden. Die Artillerietätigkeit ist in
folge dessen sehr groβ. Ein Mann der Komp. hat sich mit einer Handgranate an beiden Händen und im Gesicht verwundet. Man weiß nicht ob in der Absicht der Selbstverstümmelung oder durch Spielerei, weswegen Untersuchung eingeleitet wird. Seine Behauptung ein feindl. Geschoß habe ihn verletzt, ist ausgeschlossen.

Abends 1/2 8 kommt die folgenreiche Nachricht, daß Montenegro um Frieden gebeten und die als erste Bedingung verlangte bedingungslose Übergabe der montenegrischen Streitkräfte angenommen hat. Diese Nachricht wird sehr freudig begrüßt, ist doch nun wenigstens ein kleiner Anfang zum Ende gemacht. Rechts in weiter Ferne rollen am Abend und bis in die späte Nacht die Geschütze. Das Feuer schwillt oft zum Trommelfeuer an.

Handschriftliche Überschrift: Schlussbemerkung

Dieses Büchlein, welches nun 10 Monate den Verlauf der Tage zu meiner Erinnerung für spätere Zeiten festhält, erfüllte am letzten Tage wenigstens zum Teil den auf der 1. Seite
ausgesprochenen Friedenswunsch.

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