Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

handschriftlich aus Kriegstagebuch: Mittwoch, den 12. Januar 1916.

Gestern hatte ich Gelegenheit mir ein vorzüglich eingebautes Geschütz anzusehen. Es befindet sich im Rücken unserer Kompagniestellung „Höhengraben“ und beherrscht das Allencombe-Tal vollständig. Es kann auf 700 m direkt in den franz. Graben schießen und tritt erst für den Fall eines feindl. Angriffes überraschend in Tätigkeit. Bis jetzt hat es noch nicht geschossen. Es steht unter einem 2 m tiefen Dache aus dicken Baumstämmen und ist vorläufig vorzüglich maskiert. Ein kleiner Gang führt zum Munitionsraum, wo 1000 Schuß vorrätig sind.

Heute war nach dem Regen der letzten Tage wieder einmal trockenes und kaltes Wetter. Beizeiten benutzten auch schon Flieger den klaren Tag für ihre Erkundungen. Punkt 100 begann eine heftige Beschießung der unseren Komp.-Abschnitt gegenüberliegenden Franzosen durch unsere Artillerie – und Minenwerfer, wobei einige franz. Unterstände zerstört wurden.

Auch die franz. Artillerie blieb nicht ruhig. Eine feindl. Granate fuhr in den Unterstand des Utfz. Duschek mit seiner Wache. Zum Glück war diese geräumt, sodaß Verluste nicht eintraten. Am Nachmittage war Ruhe.

Abends 100 setzte plötzlich ein lebhaftes Gewehrfeuer ein. Ein in Brand geratener
französischer Unterstand bildete die Ursache. Unser dritter Zug hatte das Feuer abgegeben und dabei in kürzer Zeit 600 Patronen verschossen.

Am Abend setzte große Kälte bei schönen Vollmondschein ein.

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