Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Montag, den 10. Januar 1916 in Kurrenthandschrift aus dem Kriegstagebuch

Noch auf der Pritsche hörten wir schon ein lebhaftes Minengetöse von der 70er Höhe. Es war 50 morgens. Dies hatte sich aber bald wieder ausgetobt.

1/2 90 mache mich mich auf den Weg nach Val, wobei ich an der Fourcheau-Mühle den Zug noch erwische. In Val fasse ich die Löhnung und erledige dann die sonstigen Aufträge. Beim Lebensmittelwagenkommando esse ich zu Mittag (Kartoffelstückchen mit Rindfleisch) und fahre dann mit dem Verpflegungszug wieder hinaus.

Die Wartezeit bis zur Zugabfahrt benutze ich, um mir wieder einmal ein neues Unternehmen deutschen Soldatengeistes dicht hinter der Front anzusehen.
In den großen Webstuhlsaale der Valer-Fabrik sind sämtliche leerstehenden Webstühle eng zusammengestellt worden. An ihrer Stelle stehen vorläufig 3 Maschinen zur Herstellung von Holzwolle, weitere 5 sollen noch aufgestellt werden.

Die Treibwellen, welche einst in friedlichen Tagen die Webstühle in Bewegung setzten, dienen jetzt zum Antrieb dieser Holzwollmaschinen. Daneben sieht man große Haufen meterlang geschnittener Knüppel (abgeschält). Diese werden angeritzt und sozusagen zu Holzwolle zerhobelt. Große Berge Holzwolle liegen neben den Maschinen. Diese werden in einen auseinanderklappbaren Kasten gestopt und eingestampft, sodaß
die Ballen entstehen, wie wir sie als Lagerstätten für die Unterstände gebrauchen.

Durch diese Erzeugung an Ort und Stelle aus den Beständen des Feindeslandes wird natürlich dem Staate viel erspart und die Maschinen machen sich bald bezahlt. Einige Landst.- Armierungssoldaten besorgen den Betrieb. Hinter der Valermühle werden einige Geschütze eingebaut.

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