
Heute hat die Kompagnie vollständig dienstfrei. Auch ich erledige nur die dringlichsten
Sachen und gehe nachmittags zu einem kurzen Spaziergang vor die Stadt.
Finstingen liegt inmitten hügeligen Geländes am Hange und macht mit seinen altertümlich gebauten Häusern den anheimelnden Eindruck all dieser Orte im
mittelalterlichen Stil. Die Kirche ragt hoch über die hohen spitzen Dächer hinaus. Anmutig liegt der Bahnhof zwischen hohen Bäumen. Es ist die Nebenstrecke Saargemünd-Saarburg. Als die Hauptbahn noch nicht nach Saarburg führte, war in Finstingen ein reges Leben. Jetzt ist es von Saarburg überflügelt. In Ermangelung einer Industrie wird es immer weniger bevölkert. Zur Zeit sieht man mehr Soldaten wie Einwohner. An der mit Hochwasser träge dahin fließenden Saar stehen viele Kameraden und versuchen ihr Glück mit dem Angelsport.
Man sieht nicht ein einziges zerschossenes Haus trotz dem zu Anfang des Krieges die französischen Vorposten bis hierher gelangten. An der Kirchhofsmauer findet man die Gräber derer, welche damals ihr Leben lassen mußten (1 Franz. 6 Deutsche). In der Schlacht bei Saarburg, wurden die Franzosen unter blutigen Verlusten am 20.8.14 wieder in ihr Land zurückgeworfen. Damals war Finstingen geräumt. Heute ist wieder friedliches Leben.
Zur Feier des Sonntags findet man die Finstinger heute in ihren besten Kleidern. Weit in
der Ferne hört man noch das Grollen der Geschütze.
Vom Turnverein erhalte ich ein Weihnachtspaket, enthaltend: 1 Taschentuch, 1 Paar Ohrenwärmer, 1 Tafel Schokolade, Nüsse, Pflastersteine, 2 Pfefferkuchen, 5 Briefbogen, 2 Postkarten, 1 Zweig mit 1 Licht, 1 Schachtel Zigaretten (mit Zettel: Margarete Klamm, Wilh. Franzstr. 13 II), 1 Kästchen mit Schokolade und Pralines (mit Zettel: Gertrud Zeibig, Leutewitzer Straße 10).
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