Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Kriegstagebuchüberschrift: Mittwoch, den 1. Dezember 1915

Beim Morgengrauen wird alles auf den Packwagen geladen und dann fahre ich mit diesem nach Val wo wir ihn erst richtig vollpacken. Die nicht unbedingt nötigen Sachen geben wir an Peetz zur Aufbewahrung, weil dieser in Val bleibt. Die Pelze und Filzschuhe
geben wir in die Kassenverwaltung welche einen Raum mit Bewachung belegt behält.

Um 1/2 10 fährt die Bagage ab. Ich warte mit den Schuhmachern auf die Komp. Diese
kommt gegen 20 nachm. Die ablösenden 107 er sind zu spät gekommen, sodaß die Komp. erst um 120 draußen essen konnten, trotzdem das Essen um 90 fertig bestellt war. Die Feldküchen erreichten daher die übrige Bagage nicht mehr.

Mit dem Batl. marschiere ich nach Cirey, wo wir am Bahnhof bis 7:15 abends warteten. Dann gings in den finsteren Zug welcher uns ohne Licht bis nach Deutsch-Avricourt brachte. Beim Abfahren von Cirey läuteten die Siegerglocken wegen Gefangennahme der Reste des serbischen Heeres.

Von Deutsch Avricourt, wo die Gefahr einer Beschießung vorüber war, konnten wir Licht anzünden. 1/2 100 kommen wir nach Berthelmingen, wo wir den Zug verließen. Durch 50 Minuten Nachtmarsch auf regendurchweichter Landstraße gelangten wir über Rommelfingen nach Finstingen, unseren Ruheort.

Die Quartiermacher waren nicht fertig geworden. Ein Geschäftszimmerquartier gabs nicht. Wir schliefen auf, bloßer Diele in der Schulstube, welche zu einem Mädchenpensionat und Schwesternheim der Loge der göttlichen Vorsehung gehört.
Nachts 120 schenkten uns die Schwestern in anerkennenswerter Weise noch Kaffee aus.

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