Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Große Kälte! Prächtige Winterlandschaft! Das Wetter erträglich, weil der Boden überall fest gefroren und die Füße daher trocken und warm bleiben.

Die Komp. ist das letztemal in Ruhe, morgen gehts wieder in die Stellung. Der Küchenunteroffz. Keilitz kommt von Urlaub und wechselt sein Kommando mit
Utff. Bogmann. Vzfw. May, Gefr. Weber und Sold. Grohmann erhalten das Eis. Kreuz 2. Kl. Am Abend, spielen wir lange auf unserem Riesendamenbrett. Als ich vor dem Schlafengehen nochmals vor unsere Hütte ging, konnte ich mich nicht satt sehen an dem einzig schönen Bild des winterlichen Hochwaldes bei Vollmondschein. Es ist mir unmöglich, die Pracht dieses Naturbildes in Worten zu schildern und doch will ich’s versuchen.

Im französischen Forst fehlen die regelmäßigen Reihen einer deutschen Anpflanzung.
In regellosen Abständen ragen die gewältigen Stämme des etwa ein haltes Jahrhundert alten Hochwaldes empor über den weißen, schneebedeckten Waldboden. Die schneebeladenen Zweige drohen unter ihrer Last zu brechen, und hängen tief nach unten. Durch die weißen Pyramiden der Baumkronen sieht man den wolkonlosen, tiefblauen Nachthimmel, und vereinzelt einen Stern. Über allem strahlt die weiße Scheibe des Vollmondes und zeigt sich uns durch eine größere Lücke im Dach der heiligen Halle des Hochwaldes. Das durch jede Öffnung sich drängende Mondlicht wirft zauberische Schatten- und Lichtbilder auf die Schneedecke am Boden. Dies alles bei völliger Ruhe, sodaß man sich in ein Feenreich versetzt glaubt. Die schönste Weihnachtskrippe kann nicht herrlicher erdacht sein und friedlicher.

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