Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

handschriftliche, unterstrichene Überschrift aus dem Kriegstagebuch: Montag, den 25. Oktober 1915.

Beim Erwachen hörte ich das gleichmäßige Tacken des auf die Dachpappe fallenden Regens. Das Wetter war, also umgeschlagen.

Der Feldwebel kommt im Laufe des Vormittags. Bei der 4. Komp. wurde ein Mann auf Posten hinter dem Schutzschild verwundet, genau an derselben Stelle, wo vor Kurzem
ein Mann der 2. Komp. seinen Tod fand. Ein Zeichen daß die Franzosen genau eingespannte Gewehre besitzen.

Nach dem Gerede in Val soll sich jetzt in Saarburg eine sächsische Division befinden (die 106er und 107er, welche in Rußland waren). Wer weis aber, ob sie nicht schon längst wieder fort sind.

durch Zufall erfahre ich, daß in Hohwald, wo wir zuerst, die Schrecken des Krieges kennen lernten, jetzt Rekruten ausgebildet werden. Wer hätte das in der Nacht vom 20. zum 21. August 1914 gedacht?

Gefr. Ryszel, welcher im April zur 11. Konp. versetzt wurde, weil ihn Herr Leutnant Preßprich nicht leiden konnte, hat dadurch Glück gehabt. Er ist Depot-Schreiber bei
Rekrutendepot Cirey geworden, als solcher zum Vizefeldwebel und jetzt nach Versetzung zum Divisionsgericht als 1. Gerichtsschreiber zum Beamtenstellvertreter befördert worden. Er bezieht also jetzt außer seinem vom Amtsgericht Pirna weitergezahlten Gehalt als Kalkulator noch 205-M monatlich aus seiner Kriegsstelle.
So etwas nennt man besonderes Glück. da Kyssel verheiratet, ist kann er es nötig gebrauchen. Wenn er den Frieden nicht allzusehr herbeisehnt, darf man sich nicht wundern.

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