Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Originale handschriftliche Überschrift des Eintrages im Kriegstagebuch: Mittwoch den 29. September 1915.

Auch heute regnerisches Wetter. In früher Stunde kommt, die für viele so schmerzliche Verfügung durchs Telephon, daß es bis auf weiteres keinen Urlaub mehr gibt. Zum Glück sind alle mit der Komp. vor 14 Monaten ins Feld gerückten Grenadiere in der Heimat gewesen, aber die Ersatzleute, welche bereits wieder 9 Monate im Felde
sind, wären gern gefahren.

Herr Ltnt. Fiedler erhält das Ritterkreuz II Klasse mit Schwertern zum Albrechtsorden und hat nun ebenso viel Auszeichnungen, wie Leutnant Preßprich. Der Herr Hptmann
geht ins Tal nach der Vala-Mühle auf die Wildschweinjagd und kommt dabei in unsere Hütte.

Um Mittag knattern wieder Franz. Maschinengewehre das Gelände ab. Mit besonderer Freude empfangen wir den gestrigen Heeresbericht, wonach unsere Gegenoffensive an der Westfront dem Gegner sein erkämpftes zum Teil bereits wieder streitig gemacht hat. Unter anderen wurde unverständlicherweise angesetzte Frauz. Kavallerie mit
furchtbaren Verlusten in die Flucht getrieben.

Im Osten hat Hindenburg erfreuliche Fortschritte gemacht und 25.000 Gefangene eingebracht. der von niemand bezweifelte letzte Kraftaufwand Mißerfolg des letzten Kraftaufwandes unserer Gegner scheint also recht schnell eintreten zu wollen. Nun, Gott gebs, zum baldigen Ende des grausigen, männermordenden Krieges.

Uns wird wieder mehr Arbeit durch Zuteilung des seiner Zeit an die 6. Komp. abgegebenen Regimentsstabes. Doch das schadet nichts.

Hinterlasse einen Kommentar