Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Beizeiten standen wir heute auf weil Ltnt. Fiedler schon in aller Frühe zu uns kommen wollte. Er mußte zu einer Kriegsgerichtssitzung nach Val und Cirey und zog sich bei uns um. Während dessen mußten wir natürlich weggehen und benutzten das Nichtstun zu
allerlei Schabernack gegen die Schuhmacher. Burger verstopfte, die Esse mit einem Stück Holz, sodaß beim Feuermachen der Rauch nicht abziehen konnte usw.

Mittags ging ich mit dem Feldw ich die Stellung wo wir Löhnung auszahlten. Es gab heute pro Mann einen Zuschuß von 2 M aus Marketendereigewinn. Vom Schützengrabenposten 15 aus konnten wir durch ein gutes Fernglas ein Stück Schützengraben der Franzosen einsehen, ohne daß es diese ahnten, die Entfernung betrug knapp 400 m. Der Verkehr der Franzosen läßt sich hier genau beobachten. Während ich hineinsah, kam leider niemand. Weit hinter den Bergen sah man am Himmel einen kleinen Punkt, ein französischer Fesselballon. Im Anschluß an unsere Komp, nach links kommt ein unbewaldetes Stück von etwa 100 m Breite. Auf der Höhe desselben befindet sich der deutsche Graben, welcher vom Landw. Regt. 70 (Viel Elsässer und Lothringer) besetzt ist. Die Franzosen liegen hier nur etwa 5 m entfernt. Die unbewaldete Höhe ist von Minengruben zerrissen. Selbst im Rücken unseres Grabens sind Maskierungen gegen Sicht, da sonst die Franzosen, welche uns bei Allercombe gegenüberliegen, uns in den Rücken sehen könnten. Eigenartige Zustände,
die sich aber aus dem Gelände ohne weiteres ergeben. Burger ist heute schlecht aufgelegt. Ich lese abends noch längere Zeit heiter Geschichten von A. Ballenström,

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