Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Das prächtige Frühjahrswetter hält auch heute an. Man hatte in der Nacht einen Angriff der Franzosen erwartet, doch blieb alles ruhig. Bei Brémenil sollten angeblich die Franzosen die Drahtverhaue zerschnitten haben. Gestern abend hatten sie durch ein Ofenrohr herübergerufen: „5000 Deutsche Infanterie gefangen bei Arras viel Geschütze, viel Masch. Gew. Italien Krieg an Deutschland, Vive l’Italie!“
In der Meinung, wir würden den Kopf über die Schutzwehren halten und horchen, gaben sie hinterlistigerweise ein Salve ab, welche von uns keinem schadete. Durch Trommeln und Lärmen feierten, die Franzosen ihren angeblichen Sieg. Wie es in Wirklichkeit damit aussieht zeigt der ämtliche deutsche Bericht. Gegen Abend kreiste heute abermals ein französischer Flieger, über uns, doch setzte die heftige Beschießung nicht wieder ein. Mit der Post erhielt ich eine Karte von Onkel Luis [??]. Dieser ist in Haselbach gewesen, dort haben ihm die Großeltern meinen vor einiger Zeit gesandten Kartenbrief mit den Worten gezeigt. „Er hat nur seine Adresse aufgeschrieben, weiter nichts“ Erst durch Onkel Luis [??] Belehrung hatten sie nach Abreißen des Randes den weiteren Inhalt lesen können. Dieser Vorfall ließ mich herzlichst lachen.

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