Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Auch heute wieder das herrlichste Wetter. Während der Feldwebel nach Angomont geht, sehe ich mir auf dem Kirchturm, welcher auf einer Leiter von außen bestiegen werden muß, die neuen Glocken an. Als ich heruntersteige trifft mich Leutnant Preßprich welcher sich aufregt, daß ich mich vom Bureau entfernt hatte, trotzdem Dutschke dort war. In seiner tantenhaften Klatschsucht rannte dieses Monstrum eines Leutnants dem Feldwebel entgegen und erzählte, daß sein Schreiber in der Abwesenheit auf dem Kirchturm sitze. Darüber haben wir den ganzen Tag gelacht, denn der Feldwebel ist diesem befehlswütigen Leutnant nicht allzu freundlich gesinnt. Mit Dutschke gehe ich in den Wald hinter unserem Hause spazieren und komme bis an die Forellenfischerei, im Grunde zwischen Tannen bewachsenen Höhen romantisch gelegen. Wie alle Orte der Umgebung ist auch sie von den Bewohnern frei. Der Brutzuchtraum beherbergt noch einige Schnecken als Futter und viel Gerät. 12 Weiher
hintereinander, gespeist, durch ein kristallklares Gebirgswasser welches rauschend über den Felsen springt dienten der Forellenzucht. Im Walde jubilieren die zahlreichen Vögel und zeigen sich samt der vom Winterschlaf erwachten Natur in der alles zu grünen beginnt erhaben über die mordende Menschheit. Pfeifend flogen einige Granaten in den friedlichen Wald. Ein Radfahrer verkündet, daß Angomont am heutigen Nachmittag einer furchtbaren Artilleriebeschießung ausgesetzt war. Eine Granate hat in das Geschäftszimmer, der 4. Komp. eingeschlagen, und dort die Kasse und Stammrolle zerstört. Die Patronenwagen kommen in der Dunkelheit nach St. Sauveur.

    Hinterlasse einen Kommentar