Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Am frühen Morgen ließen die Geschütze ihre Stimme hören. Sonst verlief der Tag in größter Ruhe. Ich erfreute mich über den Ausdruck des Humors in folgendem. Ein
Schuppen, in welchem bei unserem Einzug in Angomont der Stalldünger lag, war ausgeräumt worden, die Landsturmleute hatten roh gezimmerte Tische und Bänke aufgestellt, an denen sie ihr Mittagessen verzehren. Am Eingang hing ein Schild mit der Aufschrift: „Gasthof zum früheren Misthaufen“. Daneben waren einige Bänke im Freien und die Bezeichnung: „Gartenrestaurant Volkswohl, Eröffnung nach Friedensschluß!“ In der Ecke war ein Modellgestell einer Schneiderin angekleidet und stand im Strohhut und Sonnenschirm in Erwartung von Gästen. Gar mancher Offizier blieb lachend stehen. Sonst gab’s nichts neues. Der durch schöne Kriegsdichtungen bekannte Dichter Rudolf Herzog befand sich im Ort, ich habe ihn aber nicht gesehen.

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