
Als ich mich nach unruhigem Schlafe am frühen Morgen vom Lager erhob ertönte bereits das Getöse der Artillerie, welche dem Feind guten Morgen wünschte. Ich hatte viel Arbeit mit Aufnahme der Nachlaßsachen unseres Kameraden Leuschner. Bald brachte man auch Utffz. Bück auf der Bahre. Ein Schuß durch die Wade machte ihn kampfunfähig. Inmitten einiger Kameraden bringt man einen Franzosen, welcher übergelaufen ist. Er ruft, nach allen Seiten, guten Morgen und ist recht guter Laune. Seinen Begleitern hat er auf gut deutsch erzählt, daß er aus Tanconville (in unserem Rücken) sei und 7 Monate mit gemacht habe. Jetzt hätte er genug. Er trug einen hellblauen, neuen Mantel und sah von weitem unseren Schützen zum Verwechseln ähnlich. Gegen Mittag mußten alle Einwohner den Ort verlassen und kamen nach Cirey. Es konnte einem das Herz zerreisen, wenn man die greisen, alten Frauen weinend aus ihrem Heim gehen sah, welches sie vielleicht ein Menschenalter bewohnten. Doch streng und unerbittlich ist der Krieg, sein bisheriger Verlauf zeigt mir allzu deutlich, daß wir mit menschenliebenden Gefühlen nichts erreichen. Am Nachmittag beginnt es zu regnen, was schlimmer, wie die gestrige Winterkälte ist. Wir beziehen ein geräumtes Haus, wo wir ein fliegendes Büro einrichten. Mit Trauer empfangen wir die Nachricht, daß unser Hornist Bodenschatz aus Plauen einem Brustschuß erlag. Wir schlafen heute in Betten, aber nicht entkleidet. Dabei müssen wir mit Bedauern an unsere Kameraden denken, welche die Nacht im Walde verbringen.
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