
Ein trüber Tag! Schnee und Regen wechseln miteinander. Die Luft schwirrt voller Gerüchte über viele Veränderungen, die uns bevorstehen. Eins davon bewahrheitet sich noch am Abend durch das Eintreffen eines Regimentskommandeurs Herr Leutnant Woermann wird Regimentsadjutant, an seine Stelle tritt Leutnant Wagner als Batl. Adjutant. Weil die Offiziere ihre Sachen packen lassen, greift eine fieberhafte Erwartung des Kommenden um sich. Wesentlich wird die Stimmung der Allgemeinheit noch durch die Briefzensur beeinflußt. Es zeigt sich, daß das Verbot von vielen Kameraden, die sich vor niemand scheuen, dazu benutzt wird, den mit der Durchsicht betrauten Vorgesetzten ihre kleinen Fehler vorzuwerfen. So bittet jemand um 1 Flasche Magenbitter, weil er bei der Arbeit in jetziger Witterung solchen benötige und der vom Proviantamt gefaßte Schnaps, auf dem Patronen, wagen aufbewahrt werde. Ein anderer bittet seine Mutter um ein Stück Butter, weil er als Korporalschaftsführer, verantwortlich sei daß unter seinen Leuten ein Paket mit Butter verschwunden, sein soll. Ein dritter bittet um 300 Formulare mit der Aufschrift: Mir geht’s gut! Besten Gruß dein Paul!, weil er in Zukunft mehr nicht schreiben will. Er habe keine Lust, den Offizieren, welche ihm später ein Zeugnis ausstellen sollen, Einblick in seine intimsten Verhältnisse zu geben, denn er habe nicht das Vertrauen, daß die dadurch erlangten Kenntnisse nicht zu nachteiliger Beurteilung seiner Person führen und verwendet werden. Am auffälligsten ist die Wirkung an der Zahl. Es geht etwa ¼ der bisherigen Post fort, weil die Masse sich darauf beschränkt, nur das unbedingt nötigste zu schreiben. Die Arbeit in unserem Geschäftszimmer hat sich wieder ins ungemessene [??] gesteigert. Ermüdet und in Neugierde auf die Überraschungen des kommenden Tages lege ich mich zur Ruhe, sollte es vielleicht schon das letzte mal sein?
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