
Um den Grenadier Zeißig [??] von der 4. Komp. nach Saarburg zu bringen, wurde unser Schuhmacher. Gefr. Knorr, heute befohlen. Er hatte das Glück als erster die Bahn zu
benutzen. In der Kompagnie fand heute Schulschießen statt, zu welchem auch ich ging. Der Weg nach dem Schiesstand war mir ein herzerfreuender Spaziergang. Durch die
Straßen der Stadt gelangte ich an die Glasfabrik mit ihren zahlreichen Gebäuden. Sie besitzt eine nicht überschaubare Ausdehnung und liegt selbstverständlich in tiefer Ruh. Dahinter, befinden sich in langer Reihe, ähnlich wie in Hellerau, Arbeiterwohnhäuser. In den Gärten sind die Besitzer am heutigen frühlingswarmen Tag damit beschäftigt, umzugraben. Sie sind wahrscheinlich auch zu der Überzeugung gekommen, daß wir uns hier nicht mehr verdrängen lassen und daß sie sich ungestört an die friedliche Bestellung ihres Landes machen können. Rechts der Straße befindet sich ein Teich. Die Anlegestelle verrät, daß er im Frieden dem Rudervergnügen diente. Auf dem Wasselspiegel sieht man die oft durch Granaten zerrissenen Mauern der Lagerschuppen ein zweites Mal. Nach ½ stündigem Marsche auf der im Tale zwischen den mit Tannen bewachsenen Höhen, hinlaufenden Landstraße nach Saussenrupt gelangte ich auf den Schiesstand. Eine im rechten Winkel zur Straße nach links abbiegende Schlucht bildete den natürlichen Schutz, gegen Unglücksfälle, wie ihn in der Garnison die Dämme bilden. Durch eine Telephonanlage wird das Schußresultat nach vorn gemeldet. Ich erfüllte meine Bedingung mit drei 8. Auf dem Heimweg schlug ich eine andere Straße ein und sah, mir die vorzüglichen Verteidigungsanlagen an. Landsturmleute ohne Waffen in bunten, blauen Uniformen verbesserten, sie noch mehr. Nur eine überwältigende Übermacht könnte uns hier schlagen und dann auch nur unter mörderischen Verlusten. In der Nacht ging ich mit dem Feldwebel zweimal zur Postenkontrolle. Bei Regen wanderten wir in der einsamen Nacht hinaus über den
Schützengraben zur Feldwache bis uns die Doppelposten am Drahtverhau durch Anruf aufhalten. Vor uns auf der Ebene bis zum dunklen Waldessaum ein grauer Nebelschleier.
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