Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Beim Grauen des Morgens erwacht, und an der 5 Minuten entfernten Quelle gewaschen. Dann Postanweisung eingeschrieben und die von den Kameraden für die Heimat bestimmten Briefe u. Karten zur Abgabe fertig gemacht. Um 8:0 fährt der Gefr. Nichmann mit einem requirirten Kutschwagen und einem erbeuteten Maulesel nach Rixingen, wo sich unsere Feldpost befindet. Er kommt etwa 4:0 nachmittags zurück, und wird von jedermann mit Freuden erwartet. Vor allem, wenn der Wagen, bei der Rückkehr recht voll gepackt ist. Der Postwagen war noch nicht lange abgefahren und ich beim Kaffeetrinken, den Kamerad Dutschke bereitet hatte, als die Franzosen in die Richtung von Frémonville mit Artillerie feuerten. Es währte nicht lange, so bemerkten wir auch über unseren Köpfen das bekannte Pfeifen, nahender Schrappells. Mit Deutlichkeit wurden wir plötzlich gewahr, daß wir auch Artillerie gegenüber hatten, entgegen der jetzigen Meinung. Seit mehreren Wochen hatten die gegnerischen Geschütze nicht von sich hören lassen. Neben den Schrappells, kamen in kurzen Abständen auch Granaten. Im Schlosse entstand eine gewisse Aufregung. Das Batl. besetzte umgehend die Stellungen. Wir packten all unsere Wertsachen in die Bureaukiste und brachten sie auf dem Patronenwagen. Als ich die Kiste am Wagen befestigte, pfeift es über mir und wenige Schritte entfernt gräbt sich ein Blindgänger in die Erde. Die Hälfte aller französischen Geschosse wird als Blindgänger ungefährlich. Die Packwagenbagage und mit ihr Burger und Dutschke fährt um 10:30 im Trabb bis in die Deckung des Waldes und von dort nach Tanconville. die Patronenwagen bleiben hier und werden mit Reißig bedeckt, um vor allem gegen Flieger unsichtbar zu sein. Nachdem ich alles für einen schnellen Abmarsch vorbereitet hatte, begebe ich auch zum Feldwebel, welcher in der Stube der Köche war. Diese war gegen Granatfeuer einigermaßen sicher. Hier harren wir der kommenden Dinge. Um Mittag verstummten
die gegenerischen Geschütze, ohne auch nur den geringsten Schaden angerichtet zu haben. Das Schloß selbst war nicht getroffen worden. Am Nachmittag beginnen wir das nötigste Schreizeug wieder auszuräumen und fertigten viele, eilige Meldungen an. Am Abend schlafe ich mit dem Feldwebel auf einer Schütte Stroh bei den Köchen im Parterre.

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