Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Ebenfalls wieder ein schöner Herbsttag. Vormittags findet im Schloßparke
Feldgottesdienst statt, an dem ich leider nicht teilnehmen konnte. ½ 12 fuhr ich nach Ibigny zum Zahlmeister, um die Komp. Löhnung (1651,42 M) abzuholen. Anstelle des Silbergeldes erhielt ich nur neue 1 und 2 M Scheine. Um 3:0 hatte ich La Vigne nach schöner Fahrt durch den herbstlichen Buchenwald bei Frémonville wieder erreicht. Die durchfahrene Gegend ist sehr reich an Naturschönheiten. Im Hintergrunde grüßen die Vogesenkuppen. Aus der Schwärmerei für all das Schöne reißt einen ein Blick auf die zahlreichen Feldbefestigungsanlagen. Nach meinem Eintreffen wird die Löhnung
gleich ausgezahlt. Ein Freudentag im Soldatenleben. Ich hatte dem Feldwebel etwas vom Uffz. Scholz auszurichten, wodurch diese in Streit gerieten, was mir am Abend unangenehm war. Der Feldwebel war bei schlechtester Laune wegen Geldsorgen. Er ist ein eigentümlicher, geizender Charakter und ärgerte sich, daß er von seinen 42 M Löhnung diesmal nur 30 M heimschicken konnte weil man hier sich viel leisten konnte und viel Geld brauchte. Abends gab es große Aufregung, als plötzlich bekannt wurde, daß das ebenfalls in unserer Mitte befindliche Ers. Batt. 48 heute verladen werden sollte. Wir packen am Abend also gut zusammen um für alle Überraschungen gerüstet zu sein. Trotzdem verbringen wir, dann in der gestrigen Weise eine ungestörte Nacht.

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