Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Ich war soeben aufgestanden und betrachtete mir mein Nachtquartier bei Tageslicht, als der Fahrer Koser aus der gegenüberliegenden Scheune trat. Er war nicht wenig erstaunt, seinen Wagen allein zu finden und rief sofort alle anderen. Ich kam aus meinem Versteck, machte ihnen die Lage klar und bald waren wir auf dem Wege nach Bertrambois, wo wir morgens 7 eintrafen. Es regnete in Strömen. Der Feldwebel eröffnete mir, daß die Kompagnie 7.20 abrücke und wir wegen eiliger Meldungen heute mit dem Patronenwageen ausrücken wollten. Bertrambois ist das erste franz. Dorf, wir waren also wieder im Feindesland. Um 8 ging es mit der Gefechtsbagage, weiter den Berg hinauf, wo das Batl. kurz hinter dem Dorfe halt gemacht hatte. Die 1. Kompagnie ging als Spitze vor. Wir ware in die nach Tanconville führende Seitenstraße gezogen
worden. Ich ging, mit dem Feldwebel in die ersten Hauser zurück, fertigte die Meldung und lieferte sie an den Batl, Adjudant, Leutnant Woermann ab, welcher zum Mittagessen ebenfalls ins Dorf zurückgekehrt war. Dem Feldwebel war unwohl, wir gingen daher in sein gestriges Quartier, wo er schlief und ich durch eine Frau, deren Mann gegen uns im Kampfe stand, Kaffee kochen ließ. Der Zustand des Feldw. wurde so schlecht, daß wir auch im Orte blieben, als das Batl. abmarschierte. Nur mit Mühe brachte ich ihn dazu, später auf dem Durchfahrenden Packwagen mitzufahren
durch einen großen Wald, in welchem zerschossene Franz Artillerieposten lagen, kamen wir nach einen größeren Ort, namens Cirey. Am Beginn des Ortes befand sich die Gasanstalt welche aber geräumt und außer Betrieb war. Wir ziehen in das erste Haus links der Straße, wo sehr entgegenkommende, ängstliche Leute wohnen. Der Hausherr, spricht deutsch, französisch und englisch. Er ist vor 1870 als Franzoses geboren, wurde dann deutscher und wanderte später nach Amerika aus, von wo er vor kurzen zum Besuche seines hier weilenden Sohn gekommen ist. Jetzt ist er durch den Krieg festgehalten. Unser erkrankter Feldweber wurde schlafen geschickt in die erste Etage. Wir unterhielten uns noch lange und fanden, dann auf dem Oberboden ein dürftiges
Nachtlager. Das von den jetzigen Dorfquartieren gewohnte, weiche Heu vermißten wir sehr. Der mit hier schlafende Waffenmeister hatte große Angst vor Überfällen, welche durch Friedrich und Weigelt noch erhöht, wurde, indem sie angaben, Schüsse zu hören usw.

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