Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Handschriftlich in Sütterlin: Donnerstag, den 3. September 1914

Der Tag verläuft ähnlich dem gestrigen nur ohne die festliche Kost. Heute wurden zu Mittag Schweinefleisch in Kartoffeln verzehrt. In der Dämmerung brechen wir auf und erreichen die Kompanie hinter St. Michel. Die Krankenträger berichteten von schweren Verlusten. In einer Scheune lag unser Kammerunteroffizier Hösel mit zerschossenen Bein. Über den schweren Tag berichtet nur ein Kamerad folgendes:

Das Bataillon stand morgens 5 bei der Vacherie zur Verfügung der Brigade. Gegen 12 mittags sollte die Kompagnie in den Angriff auf Sauceray eingesetzt werden. Der 1. Halbzug war ca. 300 m vorgegangen, als dieser durch eine links seitlich flankierende Batterie fast vollständig aufgerieben wurde. Darauf wurden auf Befehl keine weiteren Züge eingesetzt. Mittags erhielt die Kompagnie den Befehl, in Anschluß an die 4. Kompagnie den Waldrand dicht südlich Les Baraques gegen Sauceray zu säubern. Auf dem Anmarsch dorthin nahm die Kompagnie noch 2 Züge von Batailon 48, die im Hohlwege lagen und nicht voran kommen konnten, auf und fand nördlich Les Baraques Anschluß mit der 4. Kompagnie. Ein mit der Kompagnie vereinbartes Vorgehen aller vorhandenen Kräfte in breiter Front bis auf den Kamm der Höhe scheiterte an dem aus stark befestigten Stellungen abgegebenen feindlichen Feuer, sodaß der größte Teil der bis zur Höhe entwickelten Schützenlinie infolge der großen Verluste zurückging. Die auf dem rechten Flügel der Schützenlinie befindlichen Teile der 1. und 4. Kompagnie hielten den Waldrand östlich Sauceray, bis zum Einbruche der Dunkelheit, wobei dieselben von drei Seiten durch heftiges Feuer von da beschossen wurden. Als gegen Abend die eigene Artillerie den Waldrand unter Feuer nahm, wurde der Rückmarsch auf St. Michel angetreten, wo sich die Kompanie mit dem Batailion vereinigen konnte. Verlust 6 Tode 23 Verwundete.

Aus dieser Schilderung wusste ich, daß das heutige Gefecht nicht so glücklich verlief, wie das letzte. In nebeliger Nacht gings zurück nach Denipaire in das alte Nachtquartier.

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