Kurts 1662 Tage

– ein Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg

Bei Morgengrauen machten wir uns auf den Weg nach dem oberen St. Michel. Es war ein prachtvoller Morgen. Am Ende des Dorfes stießen wir auf die Kompagnie. Feldwebel Winkler sollte auf Anordnung des Hauptmannes als Zugführer eintreten, weil nur noch Offizierstellverteter [Bestulla?], da war. Er übergibt mir für den Fall, daß ihm etwas passiere, die Adressen seiner Eltern und seines Onkel, denen ich sofort Nachricht geben sollte. Durch Vermittelung des Zahlmeister, der den Feldwebel zur Lohnungsverrechnung brauchte, befand sich unser Führer anders und unser Feldwebel fuhr wieder, mit zurück nach La Voivre.

Dort wurde das Mittagessen gekocht, welches heute aus Kartoffelstünkchen mit Möhren und Rindfleisch bestand. Es war das erstemal, daß ich im Kriege Kartoffeln ass. Sodann wurde die am Strassengraben liegende Leiche unseres Offizierstellverteters beerdigt. Er hätte einen Schuß mitten in die Stirn erhalten. Anschließend faßten wir in La Voivre als plötzlich abends 70 feindliche Schrappnells über unseren Köpfen pfiffen. Dadurch entstand ein großer Wirrwarr Pferde gingen durch, die in der Kirche unter
gebrachten Verwundeten wurden auf Wagen gebracht, ich beobachtete hinter einer Scheune, das Einschlägen der Geschossen. Sie gingen zum Glück alle zu weit und schlugen an jenseitigen Dorfrande ein. Plötzlich knallten auch im Dorfe Infanterienschasse, was zur Folge hatte, daß wir mit aufgepflanzten Seitengewehr die Häuser durchsuchten.

Ich bewachte einen Bäcker welcher wahrscheinlich unschuldig war. Die Bewohner hatten Lichtsignale gegeben und damit unseren Aufenthalt verraten, weshalb wir noch am Abend nach Hurbache zurückfuhren. In einer rechts der Straße gelegenen Scheune fanden wir Platz zu schlafen.

Hinterlasse einen Kommentar