
Als wir erwachten, stand die Sonne schon hoch am Himmel. Es gab hier in Denipaire, viel Wein und billig z. B. eine Flasche vom besten Sekt für 1,- Fr. Ich trank hier den ersten Champagner im Leben. Nachdem wir im Proviantamt gefaßt hatten, fuhren wir halbwegs zwischen Denipaire und Hurbache vor, wo wir an der Landstraße abkochten.
Nachmittags fuhren wir nach La Voivre, wo wir im Dunkel der Nacht vorüber kamen, um an zahlreichen toten Pferden und Franzosen vorüber nach rechts abzubiegen. Rechts auf den Höhen erblickten wir zahlreiche Feuerscheine. Oberhalb des Bahnhofes von St. Michel durften wir nicht weiter, denn wir hatten uns verfahren und waren in der vordersten Gefechtsline. Im Feuerscheine einer brennenden Fabrik mußten wir längere Zeit warten und kehrten dann um. Die Nacht verbrachten wir im Freien an einem Wiesenrain rechts der Straße.
Ich hatte mich in Mantel, Zeltbahn und Säcke eingepackt und war froh, als ich noch
einen Zipfel von Läschker’s Pferdedecke erhielt, denn die Nacht wurde sehr kalt. Ein dichter Nebel über den weiten Wiesen ließ keine genaue Orientierung zu. Die Kompanie hatte heute das Dorf St. Michel mit gestürmt, worüber folgender Bericht eines Kameraden Aufschluß gibt:
Die Kompanie war mit Deckung, der Artillerie beauftragt und lag, nördlich von La Voivre, 6:00 vorm. wurde die Stellung verlassen und bei nebeligem Wetter an der Straße, La Hollande-La Voivre Schützengraben ausgeworfen. Von 9 vorm. ab lag die Kompanie hinter Gebäuden, am süd westlichen Ausgange von La Voivre in Deckung gegen Artillerienfeuer Vormittags wurde der Befehl gegeben St. Michel zu nehmen und zwar sollte die Kompanie mit ihrem linken Flügel rechts des Kirchturmes von St. Michel angreifen, 10 mittags erhielt sie Befehl zum Vorgehen. In starkem feindlicher Artillerie und Infanterie Feuer wurde zugsweise vorgegangen und die an sie tiefe, stark reißende Meurthe, welche dort einen Bogen schreibt, zweimal durchschritten.
Sprungweise wurde sich über eine ca 700 in lange Wiese gegen den Bahndamm an den Gegner herangearbeitet, beim Vorgehen der Kompanie waren Teile der Kompanie rechts des Bahnhofes von St. Michel vorbei auf das Dorf Bréhimont vorgegangen, welches, ebenso wie St. Michel, im Sturm genommen wurde. In dem Dorfe Bréhimont wurden über 250 Gefangene gemacht und zwar wurden an jedem Gehöft kleinere Trupps des Feindes heraus geholt. Darauf wurde noch durch das Dorf Bréhimont weiter vorgestossen.
Um 6 erhielt die Kompanie den Befehl zu sammeln und mit dem Battalion in St. Michel, zusammenzustoßen. Verletzte 2 Tote 10 Verwundete.
Daraus ergibt sich, daß unser Battalion wenigstens eine schöne Zahl Gefangene vom
heutigen Tage hat. Von der 1. Kompanie fielen Offizierstellverteter Stenzel und Gefreiter Deiter.
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